City-Maut

(Vorab-Information: Ich werde mich in diesem Beitrag viel auf ein Twitter-Gespräch mit dem Landesvorstandsmitglied der Grünen BaWue Jörg Rupp und seinen Blogeintrag zur City-Maut beziehen.

Dieses – vorerst nur – Schlagwort warf der grüne Verkehrsminister in Baden-Württemberg, Winfried Hermann, in die Diskussion.

Der Zweck dahinter ist klar und durchaus begrüßenswert. Die Städte sollen von motorisiertem Individualverkehr entlastet, die Luft besser, die Menschen vom Lärm geschützt und der Öffentliche Personennahverkehr besser finanziert werden.

Aber wie soll diese City-Maut aussehen? Bisher scheint seitens der Grünen noch kein Konzept vorhanden zu sein, wie diese Maut umgesetzt werden soll. Meine erste Vermutung war ja, daß sie analog zur satellitengestützen PKW-Maut von Ministerpräsident Kretschmann eben auch nur so eingeführt werden soll. Wäre ja auch logisch.
Da aber widersprach mir Jörg Rupp auf Twitter. Man könne sich viel vorstellen Es gäbe verschiedene Möglichkeiten, von Kameras bis Vignette. Kameras, aha. Die dann in das Innere der Fahrzeuge filmen, um so, wie gefordert, die Anzahl der Personen zu erfassen.

Überhaupt – Preise gestaffelt nach Anzahl der Personen. Sollen mehr Personen mehr zahlen? Dann dürfte man ja nie jemand mitnehmen, wenn man ein Monatsticket für eine Person gelöst hat. Finde ich irgendwie kontraproduktiv.
Oder bedeuten mehr Personen eine niedrigere Maut? Das würde Fahrgemeinschaften fördern. Und was mache ich, wenn plötzlich der Arbeitskollege krank wird, ich aber ein Pickerl für 2 Personen habe?

Man sieht, alles sehr unausgegoren. Aber das sind Detailfragen. Wichtiger als das Wie ist das Ob.

Wie vorhin schon geschrieben, sind die Ziele der City-Maut ja hehre. Und daß Geldzahlungen Lenkungswirkungen besitzen, ist auch unbestritten. Aber das ist Politik von gestern. Gerade bei Autofahrern. Die werden schon genug durch Geldzahlungen gelenkt. KFZ-Steuer, Pflichtversicherung, Mineralölsteuer, Mehrwertsteuer auf die Mineralölsteuer… (Interessantes Detail am Rande ist ja, daß so ziemlich alle Politiker auf die hohen Benzinpreise schimpfen, die die von den Arbeitnehmern geforderte Mobilität behindern. Nur der Finanzminister ist doppelt und dreifach froh über jede Benzinpreiserhöhung. Wie wäre es mit einem festen Betrag bei der Mineralölsteuer pro Liter? Aber ich schweife schon wieder ab.)

Politik von gestern. Das ist Politik, die durch immer neue Steuern, Abgaben, Gebühren versucht, eine Lenkungswirkung zu erzielen. Man verbietet, gebietet und drangsaliert.

Daß es durchaus auch anders geht – nämlich mit Anreizen – hat z.B. die Kaufförderung für Neuwagen in der ersten(?) Wirtschaftskrise gezeigt. Unabhängig davon, ob man diese Förderung gut findet, funktioniert hat sie.

Also laßt es uns doch versuchen. Schenken wir jedem Bürger ein Jahresticket für den ÖPNV. Und weil das Jeder bekommt, können wir es uns auch gleich ganz schenken. Und Kontrolleure obendrein. Und schon sind wir beim fahrscheinlosen ÖPNV.

Natürlich wird es auch damit weiterhin Autos geben, auch Autofahrten. Und sogar unnötige Autofahrten. Aber das ist Freiheit.
Keine Freiheit ist, wenn der Schichtarbeiter aus Fuchsdorf eine City-Maut zahlen muß, um zu seinem Arbeitsplatz zu kommen. Oder der Städter, um zu seinem in Hasenhausen. Überhaupt, der Stadtbewohner. Der wird faktisch gezwungen, die Maut zu zahlen. Alles läßt sich schlicht nicht mit dem ÖPNV erledigen. Oder er kann ja aus der Stadt wegziehen. So macht man keine Stadt attraktiv. Selbst mit dem tollsten ÖPNV.

So viele Ausnahmen und Bürokratie kann es gar nicht geben, um eine City-Maut gerecht zu machen.

Ich bin mir sicher, daß wir mit einem fahrscheinlosen ÖPNV 10 bis 20% der Autos aus den Innenstädten bekommen ohne die soziale Kluft weiter auszudehnen und freie Straßen für Nobelkarossen zu haben.

So sehe ich das.

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3 Gedanken zu „City-Maut

  1. Was bringt mir nur ein Ticket wenn es gar keine Möglichkeiten gibt ,es auch zu benutzen?Ein Ticket wäre sehr sinnvoll ,wenn das Netz der Busse auch ausgebaut würde.Fahrgemeinschaften sind ja wohl in der Zwischenzeit gang und gäbe ,da es ja kaum noch bezahlbar ist ,die Flexibilität ,die vom Arbeitnehmer erwartet wir ,noch anders erfüllen zu können..
    Wer in der Stadt wohnt darf sich freuen ,dem geht zwar der tägliche Einkauf leichter von der Hand,aber nicht alle Arbeitsstellen sind in einer Stadt angesiedelt.Ich bin es langsam leid alle kosten immer auf die Autofahrer umzulenken.

  2. ch widerspreche: ich sagte, es gäbe verschiedene Möglichkeiten. Nicht: „man könne sich viel vorstellen“. Sie nehmen hier Ihr Vorurteil, erneuern Ihre unwahre Behauptung und setzen das als Fakt. Das ist nach wie vor ein ganz mieses Spiel, dass Sie hier betreiben.
    Und die fixe Idee, man könne Iden ÖPNV heute schon kostenlos machen, der widerspreche ich. Denn ich sehe nicht ein, dass der gutverdienende Behördenleiter dies ebenso nutzen kann wie jemand, der dringend darauf angewiesen ist. Eine attraktive Idee wird nicht sinnvoll, wenn man die Gerechtigkeitsfrage außer Acht lässt. Es ist halt wie so oft mit Piratenpolitik: nicht zu Ende gedacht. Und in der Argumentation eher unterkomplex. Ein paar Gedanken dazu gibts übrigens hier: http://www.greenpeace-magazin.de/index.php?id=4513 – und zwar ein paar contra, aber auch pro. Aber wichtig bleibt mir vor allem: wer Verkehr verursacht, der soll auch bezahlen. Die Frage ist die Höhe. Dass es Alternativen zur City-Maut gibt, ist allerdings wahr.

    • Hallo Jörg!

      Danke für die Verbesserung. Ich habe es geändert.
      Und ich sehe – auch nach Deinem Blogpost – daß zumindest ich Dich auf Twitter falsch verstanden habe.

      Zum Thema, ob fahrscheinloser ÖPNV möglich ist oder nicht, frag doch in Hasselt/Belgien oder Tallinn/Estland nach. Während Du noch sagst: geht nicht, machen die einfach 😉
      Übrigens ist die Aussage, daß Du nicht einsiehst, daß der Behördenleiter genauso „umsonst“ fahren darf, kein Argument gegen die Möglichkeit (des Machen Könnens) des fahrscheinlosen ÖPNV.
      Wobei wir Piraten natürlich nicht den kostenlosen NV fordern. Sogar wir wissen, daß Busse und Fahrer Geld kosten. Die Frage ist doch, was ist uns als Gemeinschaft die Umwelt wert? Und hier versagen imho die Grünen total. Da wird immer nur verboten und besteuert. Und wenn schon der ÖPNV nach Verursacher-Prinzip bezahlt werden soll – die umweltfreundlichere Beförderung sollte doch ein Kernthema der Grünen sein.

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