Der Jude

Provokante Überschrift. Polarisierendes Thema.

Aber leider immer wieder aktuell. Zuletzt durch das Gedicht von Günter Grass.

Der hat zwar das Wort „Jude“ überhaupt nicht benutzt, und trotzdem wird oft „der Jude“ gesagt, wenn die israelische Regierung oder der Staat Israel gemeint ist. Auch in der Diskussion über Grass‘ Gedicht.

Das ist erschreckend häufig Demagogie. Und zwar aus dem rechten Lager. Damit versuchen sie, unbewußte antisemitische Gefühle zu wecken. Der Antisemitismus hat schließlich eine jahrtausendelange Tradition vor allem in Europa.

Aber auch umgekehrt gibt es eine solche Demagogie. Sobald man Kritik an der israelischen Politik z.B. beim Siedlungsbau äußert, wird man als judenfeindlich, als Antisemit, bezeichnet. Hier wird an die political correctness appelliert und das Wort „Judenfeind“ als Totschlagargument mißbraucht.

Der dritte Fall sind die Menschen, die „Jude“ verwenden, wenn sie Israel meinen, ohne zu reflektieren. Die sind einfach so soziologisiert. Hier kann – und muß – man aber Aufklärungsarbeit leisten.

Ich kritisiere Israel, bzw, dessen Politik/Regierung, wenn ich der Meinung bin, daß sein Verhalten kritisierungswürdig ist. Für mich war z.B. das Kapern der Hilfsflotille für den Gaza-Streifen in internationalen Gewässern ein eindeutiger Akt der Piraterie. Natürlich war diese Flotille eine Provokation, aber ein souveräner Staat hätte da anders handeln müssen. Zum Beispiel mit Abwarten des Eindringens in israelisches Hoheitsgebiet – wobei selbst das noch umstritten wäre, ob die Gewässer vor dem Gaza-Streifen israelisch sind. So war es nur eine Dummheit seitens Israels. Und eine Provokation der Überlegenheit.
Aber dafür verurteile ich nicht „den Juden“.

Solche Pauschalisierungen sind immer abzulehnen und niemals richtig. Es sagen ja auch nur islamische Fundamentalisten, daß „die Christen“ in Afghanistan stehen. Unabhängig davon, ob man den „kriegsähnlichen Zustand“ in Afghanistan gut findet, mir würde diese Pauschalisierung nicht gefallen. Und dabei bin ich noch nicht einmal Christ.

Und es ist nicht nur auf die Religion beschränkt. Man darf einfach nicht „die Jugendlichen“, „die Männer“, „die Schwulen“… sagen, wenn man nur eine Teilmenge meint.

Laßt uns darüber nachdenken.

So sehe ich das.

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3 Gedanken zu „Der Jude

  1. Und schon muß ich mich verbessern, bzw. was klar(er) stellen…

    Natürlich sind es auch nur einzelne Fälle, die einem Antisemitismus vorwerfen, wenn man Israel kritisiert.

    OMFSM, jetzt hab ich so Schiß gehabt, das zu veröffentlichen und mir viele Gedanken gemacht. Aber das wird wahrscheinlich nicht das einzige sein, wo ich meine Gedanken nicht richtig ausgedrückt habe…

  2. Hallo Laser,

    Ich stimme dir, weitestgehend und grundlegend zu. (Surprise!)

    Was du aber, meiner Ansicht nach, undifferenziert darstellst, ist, dass Israelkritik eben doch auch antisemitisch sein kann. Und zwar in dem Fall, in dem mit jüdischen Ressentiments gespielt wird oder die jüdische Geschichte für die Argumentation genutzt wird.

    Daher ist beispielsweise die Argumentation „haben die Juden den nichts aus dem Holocaust gelernt?“, die ich heute Mittag auf Twitter angeprangert habe, antisemtisch. Abgesehen davon, dass nicht jeder Israeli auch Jude ist, wird das Leid des jüdischen(sic!) Volkes genutzt um die Politik Israels in Frage zu stellen. Das ist falsch und im besten Fall zynisch, im schlimmsten Fall revisionistisch.

    Beste Grüße,
    Tobias

    • Hi Tobias!

      Ich dachte, das hätte ich mit Demagogie aus dem rechten Lager angesprochen.
      Kam das nicht deutlich genug rüber?

      Muß an mir und meiner Ausdrucksweise arbeiten.

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