§173 StGB

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat entschieden, daß das deutsche Inzestverbot nicht gegen das Recht auf Schutz des Privatlebens verstößt.

Und natürlich greifen Boulevardzeitungen das Thema groß auf. Endlich.
„Liebe zwischen Bruder und Schwester GRÜNEN-POLITIKER will INZEST ERLAUBEN“, so ein Druckerzeugnis, das den Namen „Zeitung“ nicht verdient hat.

Die Argumente, die sich jeder selbst bilden sollte, waren: abartig, pervers und unmoralisch.

Unmoralisch? Ok, vielleicht ist Sex zwischen Verwandten tatsächlich unmoralisch. Ich selbst habe eine Schwester und würde nie auf die Idee kommen, mit ihr zu schlafen, aber was hat Moral mit Recht und Gesetz zu tun? Unsere Gesetzgebung ist zum Glück so ausgelegt, daß moralische Vorstellungen keine Rolle spielen. Bis auf §173 StGB.

Und, nein, die Argumentation, daß Mord auch unmoralisch ist, lasse ich nicht gelten. Bei Mord wird (ziemlich massiv) in die persönliche Freiheit eines Anderen eingegriffen. Dies sehe ich nicht bei einvernehmlichem Geschlechtsverkehr zwischen Erwachsenen. Oh, Erwachsene… Unter 18 darf man übrigens vögeln, wen man will. Die Cousine, die Schwester… Also ist man mit 14 strafmündig, aber nicht bei diesem „Verbrechen“?

Werden wir etwas sachlicher, lassen wir Fakten sprechen.

§173 StGB wird begründet mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit von erbbedingten Erkrankungen. Auf gut deutsch: Verwandte ersten Grades, die Kinder miteinander vögeln, gehen ein erhöhtes Risiko (30 bis 50%) ein, ein behindertes Kind zu zeugen.
Hier sprechen 3 Argumente dagegen.

* Erstens gibt es inzwischen Möglichkeiten, um die Zeugung beim Geschlechtsakt zu verhindern. 0.01% Restrisiko bei der Pille dürften vernachlässigbar sein.
* Zweitens ist die Risiko eines „behinderten“ Kindes bei Geschlechtsverkehr zwischen Behinderten oder auch Frauen ab 40 Jahren ungefähr gleich groß wie bei Verwandten ersten Grades. Aber niemand käme auf die Idee, Frauen ab 40 das Kinderkriegen zu verbieten.
* Drittens wird hier mit einer äußerst zynischen und menschenverachtenden Ideologie argumentiert. Behinderte Kinder sind also „lebensunwert“. Also nicht nur behinderte Kinder, sondern alle Kinder, die eventuell und vielleicht behindert sein könnten. Die haben kein Recht auf Leben, weil,ja genau weil…?
Politiker aller Parteien setzen sich für ein menschenwürdiges Leben von „Behinderten ein. Christliche Parteien setzen sich für ein Recht auf Leben Ungeborener ein. Aber das Recht auf Erschaffung neuen Lebens will man verbieten? Das Kind, das eventuell gezeugt wird und eventuell behindert ist, will man verbieten? Das ist Doppelmoral pur!

Noch eine kleine Anmerkung für Trolle: Die Aufhebung des §173 StGB hebt nicht gleichzeitig das Verbot von Sex mit Kindern, Abhängigen oder Schutzbefohlenen aus. Dafür gibt es andere Paragraphen.

So sehe ich das.

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Ein Gedanke zu „§173 StGB

  1. Pingback: Ey Alda, isch fick meine Mudda! | TROLL

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