Quo vadis, Piraten?

Eigentlich war hier erst ein persönlicher Beitrag über den Bundesparteitag in Neumünster geplant (und dann noch einer über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk allgemein), aber zwei der Sachen, die ich über Neumünster bloggen wollte, plus ein paar andere führten jetzt zu diesem Eintrag.

Die Unterstützungsunterschriften wurden damals unter anderem eingeführt, um es rechten Parteien schwerer zu machen, für ein Parlament zu kandidieren. Wir Piraten haben diese oft zu hohen Hürden zu Recht kritisiert. Wir mußten zur Landtagswahl in BaWue 10,500 Unterschriften sammeln. Also ein Promille der Einwohnerzahl (Wahlberechtigte habe ich nicht zur Hand). Wir bemängelten, daß dies der politischen Vielfalt abträglich wäre.
Und in Neumünster haben wir aus genau dem Grund, Rechte auszuschließen, selber Unterstützungsunterschriften für Kandidaten gefordert. 20 von 1491 Akkredietierten, also über 1%.
Denk selbst.

Dann war da in Neumünster noch der Antrag auf Erhöhung des Beitrags. Im Prinzip eine gute Sache und ich bin bei der Abstimmung auch bis 48 Euro mitgegangen. Aber aufgrund der Mehrheit wurde dann über 60 Euro abgestimmt. Und der Antrag wurde dann abgelehnt. Da haben sich wohl ein paar verzockt.
Der Skandal kam danach. Mit der Begründung, es habe „Unregelmäßigkeiten“ gegeben, wurde die komplette Abstimmung wiederholt. Keine Angabe, was diese Unregelmäßigkeiten waren. Kein Antrag auf Wiederholung der Abstimmung. Kein Grund, warum die erneute Abstimmung geheim sein sollte. Kein Grund, warum die komplette Abstimmung wiederholt werden mußte – gab es vorher schon „Unregelmäßigkeiten“? Wieso wurden die nicht schon nach einer vorherigen Abstimmung über die Höhe aufgezeigt?
Mir kommt das immer noch so vor, daß ein möglichst hoher Beitrag beschlossen werden sollte, und als das nicht geklappt hat, man notfalls solange abgestimmt hätte, bis wenigstens irgendeine Erhöhung durch ist.
Ich habe dann gegen jede Erhöhung gestimmt im 2. Durchgang. Weil der Parteitag schon beschlossen hatte, daß wir keine wollen.
Denk selbst.

Im Liquid Feedback hatten wir einen Antrag, der zurecht entfernt wurde. Da hat ein Pirat eine Forderung eines anderen Piraten als Initiative eingestellt. Sinngemäß „Gaskammern für Rechte“. Was hat die Piraten interessiert? Die Außenwirkung! Der Ersteller der Initiative wurde vom LQFB ausgeschlossen, weil man kann doch nicht.
Der potentielle Urheber des Spruches wurde anscheinend gefragt, ob er sowas je gesagt hat und die Sache war gegessen. Und ich trau ihm aus persönlicher Erfahrung solche Sprüche durchaus zu.
Denk selbst.

Ganz aktuell ist ein Fall in meinem Kreisverband. Da wird bei den Mitgliedsanträgen schon nach Männlein / Weiblein unterschieden. Zwar steht das nicht auf den Formularen, aber ein weiblicher Vorname reicht aus, um in persönlichen Statistiken geführt zu werden.
Wollten wir das nicht mal überwinden? Wichtiger als Penis oder Titten ist das zwischen den Ohren?
Denk selbst.

Ist das noch die Partei, in die ich eingetreten bin?
Sind das noch Piraten?
Ich denke selbst darüber nach.

Update:
Ich wurde gerade informiert:

Es gab einen Antrag auf Wdh. Und geheim war angekündigt und hätte die 50 UU bekommen. Also hat der WL es GO-konform beschleunigt

Ich finde das noch schlimmer. Wir schätzen jetzt also schon Zustimmung.

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9 Gedanken zu „Quo vadis, Piraten?

  1. Laser, es geht nicht um „persönliche Statistiken“ (die btw niemand führt, das war ein Sinnbild). Es geht auch nicht um das biologische Geschlecht. Wenn sich das Mitglied im Antrag „Jaqueline“ nennt, dann ist das eine Frau. Egal was zwischen den Beinen baumelt, „Jaqueline“ fühlt sich ganz offensichtlich zum weiblichen Geschlecht zugehörig.

    Ich persönlich finde es interessant, dass die Anzahl Frauen in der Politik so gering ist und ich finde, das sollte sich ändern. Frauen sollten sich nicht fühlen, als hätten sie da keine Chance. Vor allem sollen sie wissen, dass sie z.B. Politik und Familie durchaus unter einen Hut kriegen können und das sollten wir ihnen auch ermöglichen. Das ist bisher scheinbar nicht der Fall und das ist schade. Ganz einfach. Wer weiß wieviel Potential dadurch verborgen bleibt.

    Dass du mich deswegen eine Sexistin nennst, find ich ordentlich daneben.

    • Du liegst in mehreren Punkten falsch.
      Die Statistik hast Du öffentlich getwittert.
      Im Antrag muß der gesetzliche Name genannt werden.
      Und wer außer beim Geschlechtsverkehr Unterschiede zwischen den Geschlechtern macht, ist schlicht ein Sexist. Sorry, Sexistin… m(

      Bei Deinem 2. Abschnitt hast Du vollkommen Recht. Aber das war nicht das thema meines Blogeintrags.

      Gruß

      • Der Sexismusvorwurf ist dann aber doch ein wenig arg weit und noch dazu an den Haaren herbeigezogen.

        Sich angesichts von angegebenen Vornamen oder einer Einschaetzung nach Aussehen (die wiederum nur beschraenkten Aussagewert haben) eine grobe Vorstellung vom Geschlechterverhaeltnis in der eigenen Parteigliederung zu machen, halte ich prinzipiell fuer keinen Fehler — kann man so doch zumindest grob verorten, wie das Geschlechterverhaeltnis in der Partei im Vergleich zum Geschlechterverhaeltnis in der Gesamtgesellschaft ist. Und falls dort ein Missverhaeltnis vorkommt, kann man sich Gedanken machen, woran das liegt, und ob man das ggf. aendern koennte.

        Die Unterscheidung an sich zu diesem Zwecke als „Sexismus“ zu bezeichnen, halte ich im besten Fall fuer deppert.

        Im Uebrigen: Siehe deinen Kommentar neulich auf den Twitter-Diskurs mit titusluca, ich solle doch „Polizei“ gendern. Mir geht das langsam dergestalt auf die Nerven, dass ich immer weniger Lust habe, mich auf Twitter mit/ueber die Piraten auszulassen, wenn staendig von dir das Geholze kommt.

        • Das finde ich jetzt interessant.

          Erstens nutzt Lisa die offiziellem Angaben auf den Mitgliedsanträgen, die mit dem echten Namen ausgefüllt werden müssen. Also keine Rede von angenommenen Namen.
          Und zweitens bist Du es, der sich an Nebensächlichkeiten wie der Sprache aufhängt, während hier eine echte Unterscheidung zwischen den Geschlechtern vorgenommen wird.

          Verstehen kann ich natürlich, daß Du keine Lust mehr zu diskutieren hast, sobald die Diskussion Deine theoretische Welt verläßt und in der Wirklichkeit ankommt.

      • Mich nervt es langsam, auf diesem Niveau zu diskutieren.

        Ad 1: Mir ist nicht bekannt, dass Mitgliedsantraege mit einem Ausweisdokument gegengeprueft wuerden. Wer „nur“ zahlendes Mitglied sein und sich nicht auf Parteitagen akkreditieren lassen moechte, kann sich wie auch immer nennen. Da kann ich auch „Helga“ ins Vornamensfeld eintragen.
        (An dieser Stelle koennte man noch einen laengeren Exkurs ueber das deutsche Namenswesen fuehren, das gerade Transgender-Menschen das Leben ihrer Identitaet noch weiter erschwert, als das ohnehin der Fall ist)

        Ad 2: Mir scheint, du hast nicht verstanden, was ich im vorangegangenen Kommentar schrieb. Antisexismus wird meines Erachtens nicht dadurch gelebt, Geschlechter prinzipiell zu ignorieren — zumindest nicht, solange noch strukturelle Ungleichheit existiert. Ich ordne Lisas Ansatz so ein, dass sie hier eine Analyse zum objektiven Sachstand des Geschlechterverhaeltnisses vornehmen wollte. Das ist etwas anderes, als beispielsweise zwischen maennlich und weiblich klingenden Vornamen zu unterscheiden, um darauf aufbauend den Aussagen der Beitragenden mehr oder weniger Gewicht zukommen zu lassen. Letzteres ist Sexismus, ersteres eine Statistik.

        Gaelte deine Behauptung, schon diese „Messung“, wenn man sie so nennen wollte, sei Sexismus, hiesse das allgemein angewandt nur, dass beispielsweise Studien ueber die geschlechterspezifische Lohnschere per se sexistisch waeren. Dass hier jedoch nicht die Studie, sondern das untersuchte Phaenomen sexistisch ist, wird dir doch sicher ebenfalls einleuchten, oder?

        Zu guter Letzt: Ich bitte dich noch einmal eindringlich, die Sprueche mit meiner ach so theoretischen und deiner „wirklichen“ Welt sein zu lassen. Von Person zu Person koennen wir doch auch halbwegs vernuenftig diskutieren. Auf dem Niveau wie hier und vor dem Hintergrund deines Geholzes auf Twitter mag ich aber mit dir eigentlich kaum mehr diskutieren — und noch weniger mehr zusammenarbeiten.

  2. Der Grund, warum ich mich zum Geschlecht geäußert habe, liegt aber am 2. Abschnitt meines Kommentars. Ganz einfach.

    Und ich habe auch keine Statistik. Weiß ja nicht, wie du mit ner ein- oder zweistelligen Anzahl Personen eine ordentliche Statistik aufstellst. Ich habe getwittert, dass ich in meiner Zeit bisher 20 Anträge bearbeitet habe und es erstaunlich finde, dass davon lediglich eine Frau war. Dass das schade ist und mir eben auch wünschte, dass die Anzahl deutlich höher wäre.

    Ich hätte das Ganze auch anhand der Anzahl der weiblich-aussehenden Personen aufm Stammtisch festmachen können. Die „Statistik“ wäre nicht wesentlich anders ausgefallen.

  3. Hi,
    Du gibst an, dass wir ja „schlimmer“ waeren als die Regierung in Baden-Wuerttemberg, wenn wir 20 Unterstuetzer fuer eine Aufstellung fordern.
    Es gibt aber ein paar erhebliche Unterschiede, du vergleichst Aepfel mit Birnen:
    Es geht in der Partei darum eine (!) Person zu waehlen, die die Partei repraesentiert und in der Verwaltung arbeitet etc. Bei der Landtagswahl geht es darum eine Partei waehlen zu koennen um die politische Meinung auszudruecken und sich an der Politik zu beteiligen. Das sind doch ganz unterschiedliche Sachen! Wenn wir den Bundespraesidenten (z.B.) direkt waehlen wuerden waere ich ehrlich gesagt auch fuer eine Mindestzahl an Unterstuetzern (natuerlich weniger als 1% der Deutschen). Das waere dann wohl vielleicht vergleichbar.
    –> Partei waehlen != Person waehlen (zumindest fuer mich)
    Es ist ziemlich einfach auf der Versammlung genuegend Leute zu fragen um die 20 Unterstuetzer zu bekommen. Der Aufwand ist machbar. Die 10500 Unterschriften in BW waren im Gegensatz dazu ein wahnsinnig grosser organisatorischer Aufwand. Du kannst nicht einfach die Prozentzahlen vergleichen, weil der Aufwand nicht linear mit dem Prozentsatz steigt sondern vor allem mit der absoluten Zahl der Unterstuetzungen. (und 20 ist nunmal nicht viel)
    –> 1,5% (oder was es dann letztendlich war) Unterstuetzung in der eigenen Partei bei 1500 Leuten alleine in kurzer Zeit zu bekommen ist moeglich/machbar; 1promille Unterstuetzung von fremden Leuten mit anderen Ansichten bei 11Mio BWlern zu bekommen ist selbst mit vielen Leuten eine grosse Herausforderung.

    Wenn du mit Zahlen um dich wirfst versuch das bitte richtig zu machen. Nur weil man mit Prozentzahlen um sich schmeisst hat man noch nicht Recht… (klingt jetzt haerter als ichs meine, ist wirklich nur ein Ratschlag)

    mfg
    Xaleander

  4. Tja, Du scheinst das Wahlrecht in BaWue nicht zu kennen.
    Auch hier unterschreibt man für eine Person, nicht für eine Partei.
    Und was möglich/machbar ist, steht nicht zur Debatte. Für uns war es sowohl möglich als auch machbar. Und trotzdem fanden wir es wegen mangelnder Beteiligungsmöglichkeit nicht für korrekt.

    • Also ich war beim Unterschriftensammeln in BW dabei (wohne da) und egal ob man rein rechtlich fuer eine Person unterschrieben hat, es ging darum die Wahl einer Partei zu ermoeglichen (was glaube ich auch jeder Pirat so formuliert hat).
      Und ich wollte damit nicht in schwarz und weiss (machbar/nicht machbar) aufteilen sondern einfach sagen, dass das auf der Skala des Aufwands ganz weit auseinander liegt, was du mir nicht widerlegt hast.

      Ausserdem habe ich wohl noch einen Punkt vergessen: Es geht bei Parlamentswahlen um politische Partizipation, was bei der Kandidatenwahl auf dem BP einfach nicht der Fall ist. Und deshalb muss man da auch andere Massstaebe ansetzen.
      Ich bleibe dabei, du vergleichst Aepfel mit Birnen.

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