Beschneidung aus religiösen Gründen

Das Landgericht Köln hat am 25. Juni festgestellt, daß die Beschneidung von Jungen aus religiösen Gründen als Körperverletzung zu werten ist.

Betroffen sind davon Moslems und Juden.
In wünschenswerter Einheit kämpfen Vertreter beider Religionen jetzt gegen diesen Urteilsspruch. Von dem „größten Angriff auf das Judentum seit dem Holocaust“ ist die Rede. Von Beschneidung der Religionsfreiheit.

Aber was bedeutet Religionsfreiheit? Oder noch weiter, das Recht auf die freie Ausübung der Religion?
Es bedeutet, daß man das Recht hat, seine Religion frei auszuüben. Für sich. Persönlich.
Es bedeutet nicht, daß man aus religiösen Gründen einen Anderen schädigen darf.
Es bedeutet nicht, daß man Körperverletzung an (auch den eigenen) Kindern begehen darf.
Es bedeutet, daß ein Mensch sich frei dafür entscheiden darf, sich beschneiden zu lassen.
Religionsmündig ist man in Deutschland mit 14. Das wäre also der früheste Zeitpunkt, um sich für eine Beschneidung zu entscheiden.
Andererseits darf man sich erst ab 16 Jahren durch Tattoos, Piercings u.ä. „verstümmeln“.
Hier wiegt aber meiner Meinung nach das Recht auf die Religion schwerer als der Wunsch nach optischen Verbesserungen. Also Beschneidung ab 14. Wenn man sich für eine entsprechende Religion frei entscheidet.
Ich bin übrigens auch ein Gegner der Kindstaufe der Christen. Aber da findet wenigstens keine Körperverletzung statt.

Noch was Allgemeines:
Die Beschneidung ist eine uralte Tradition. Und wie viele Traditionen hat sie einen guten Grund. Aufgrund mangelnder Hygiene, bzw. der Unkenntnis über die Zusammenhänge, half sie vor 2000 Jahren tatsächlich, die Lebensqualität zu verbessern.
Auch das Verbot von Schweinefleisch hatte einen ähnlichen Hintergrund. Schwein verdarb vor allem im eher warmen Nahen Osten einfach zu schnell. Und um Schaden abzuwenden, hat Mohamed es verboten. Kluger Mann.
Im Christentum fällt mir hier spontan das Glockengebimmel ein. In Zeiten ohne Armbanduhren und Smartphones durchaus nützlich, um die Zeit zu wissen.
In unserer heutigen Zeit mit täglich Duschen und Kühlschränken sind das für mich einfach Relikte aus längst vergangenen Zeiten und nicht mehr zeitgemäß.
Aber das ist die Entscheidung der Betroffenen – ich will da nichts verbieten. Der Betroffenen. Nicht ihrer Eltern.
Es gibt keine christliche, muslimische, jüdische Kinder. Es gibt nur Kinder christlicher, muslimischer, jüdischer Eltern. (Quelle: unbekannt)

Und noch was zum Thema Beschneidung:
Ich rede hier nicht von medizinisch sinnvollen Beschneidungen, z.B. bei Vorhaut-Verengung. (Ich konnte dem mit Salben entgehen, aber es gibt Fälle, da reichen Salben nicht.) Ich rede hier von einer Amputation gesunder Körperteile.

So sehe ich das.

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3 Gedanken zu „Beschneidung aus religiösen Gründen

  1. Pingback: Über die deutsche Sprache, Sterbehilfe und ein bißchen Beschneidung | PiratLaser

  2. Die Haltung ist für sich genommen konsequent, im Kontext der übrigen Rechte der Eltern wird eine kaum tragbare Situation daraus. Den Eltern werden in Deutschland sehr weit gehende Rechte in Bezug auf ihre Kinder eingeräumt, inklusive medizinisch nicht zwingender Eingriffe. Sie dürften auch Bluttransfusionen ablehnen oder bereits mit 5 Jahren einen gesunden Blinddarm herausoperieren lassen (profilaktisch). Unter Umständen wäre es zwar auf eigene Kosten zu tun, aber das ist die Beschneidung auch.

    Wirklich restriktiv wird es erst in Bezug auf eindeutige bleibende Schäden (weibliche Genitalverstümmelung), nicht jedoch Schmerzen der Operation an sich.
    So lange dieses so ist, muss gerade ein laizistischer, liberaler Staat sich eines Verbots der Männerbeschneidung enthalten. Es ist zwar zwingend, Verbote zu setzen und deren Einhaltung auch zu überwachen, aber die Gründe für deren Übertretung darf der Staat nur dann im Hinblick auf de grundsätzliche Strafbarkeit werten, wenn sie, wie bei der Notwehr, „sehr gewichtig“ (oder wie auch immer die JuristInnen es nennen) sind. Beim Strafmaß sieht es zwar anders aus, aber das steht hier nicht zur Debatte.

    Zweifelsfrei kann der Gesetzgeber die Strafbarkeit der Beschneidung regeln, sie ergibt sich (in keine Richtung) unmittelbar aus dem GG.

    Daher plädiere ich für einen Zwang, jeden Eingriff von entsprechenden geschulten Fachleuten durchführen zu lassen. Ebenfalls unzulässig wäre ein von den Eltern angeordneter Eingriff gegen den ausdrücklichen Willen der Betroffen (wobei dieser im Vorfeld zu artikulieren ist und zweifelsfrei artikuliert werden muss) sowie einer, der mit hoher Wahrscheinlichkeit bleibende Gesundheitsschäden verursacht (schiefgehen kann bekanntlich fast alles).
    Im Übrigen hat die Beschneidung weder im Judentum noch im Islam den Charakter der Aufnahme in eine Religionsgemeinschaft, sondern folgt nach mancher Tradition daraus. Mit Religionsfreiheit ließe sich ein Beschneidungsverbot gerade nicht begründen!

  3. Es gibt ein neues Buch, das diesem Thema eine sehr wichtige Facette hinzufügt:
    „Ent-hüllt!“ von Clemens Bergner.
    https://tredition.de/autoren/clemens-bergner-15423/ent-huellt-die-beschneidung-von-jungen-nur-ein-kleiner-schnitt-paperback-44889/
    Darin sprechen erstmals in deutscher Sprache die negativ Betroffenen, also jene Menschen, die während der Scheindebatte 2012 konsequent geleugnet und übergangen wurden.

    Sehr interessante Rezensionen zu diesem Buch gibt es hier im Blog der Frankfurter Rundschau
    http://frblog.de/bergner
    sowie beim Humanistischen Presse Dienst
    http://hpd.de/artikel/12254
    und bei Manndat.de
    http://manndat.de/jungen/beschneidung/ent-huellt-die-beschneidung-von-jungen-nur-ein-kleiner-schnitt.html

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