Offener Brief an Julian

Hallo Julian!

Du bist die Galeonsfigur von Wikileaks. Danke dafür.
In meinen Augen bist Du aber auch ein übler Selbstdarsteller. Sowas mag ich nicht.

Aber Du hast es fertiggebracht, das wahre Gesicht der lupenreinen Demokratien der Vereinigten Königreiche und Staaten aufzuzeigen.
Die USA wollen Deine Auslieferung, weil Deine (Wikileaks‘) Veröffentlichungen dazu führen könnten, amerikanische Staatsbürger zu gefährden.
In ihrer selbstherrlichen Art vergißt dabei die Regierung der US (egal ob jetzt die Rechtsradikalen oder die Rechtsextremisten), was denn Ursache und Wirkung sind.
Ohne die zumindest geduldeten Verstöße amerikanischer Armee-Angehöriger, gäbe es überhaupt nichts für Wikileaks.
Die UK wollen Dich unbedingt an wen auch immer ausliefern. Weil. Ja weil. Wieso eigentlich? Einen britischen Staatsbürger an Schweden ausliefern? Damit er als Zeuge in einem Prozeß vernommen werden kann? Das gab es noch nie in der stolzen Geschichte Britannias!

Nach Irak und Afghanistan ist das ein weiteres Beispiel der britischen Haltung: Führer (der USA) befiehl, wir folgen.

Julian – although you are not perfect – we, the anonymous mass, we support you.
Expect us.

Nachtrag:

Dieser Eintrag wurde unter dem Eindruck der unverhohlenen Drohung des UK, in die ecuadorianische Botschaft einzudringen, geschrieben. Beamte der britischen Polizei waren zu dem Zeitpunkt in dem Gebäude, allerdings nicht in der Botschaft selbst, die nur ein Stockwerk belegt.
Natürlich ist der Assange vielfältiger, geht es doch erstmal um die Vorwürfe gegen Julian. Und Vergewaltigung ist selbstverständlich kein Kavaliersdelikt, dem man sich durch Flucht entziehen darf.
Die Befürchtung, daß Schweden ihn an die USA ausliefert, ist dagegen eine Verschwörungstheorie.
Es sprechen aber einige Hinweise dafür.
Ich bin kein Jurist, aber ich halte es für seltsam, daß eine Staatsanwaltschaft für eine Befragung gleich per europäischem Haftbefehl fahnden läßt. Es wurde ja noch nicht einmal Anklage erhoben.
Irritierend auch das Vorgehen der britischen Regierung, die sich ja immerhin 16 Jahre lang geweigert hat, Pinochet nach Spanien auszuliefern. Und hier in einem vergleichsweise harmlosen Fall eine diplomatische Krise riskiert.
Für mich sieht das nach starkem Druck der US aus.
Hätte man Assange nicht auch während seiner Haftzeit oder Hausarrest in GB durch schwedische Richter befragen können? Notfalls ein Urteil in Abwesenheit fällen können? Die Zeit schreibt, daß eine eventuelle Haftstrafe wahrscheinlich sowieso mit seinem Hausarrest verrechnet worden wäre. So daß Julian hätte gar nicht mehr einsitzen müssen.
Julian hat sich auf ein Spiel mit einem mächtigen und nachtragenden Gegner eingelassen. Guantanamo steht noch immer und Bradley Manning wird weiterhin in US-Gefängnissen eben wegen des gleichen Vorwurfs gefoltert. Ohne Anklage.

Free Bradley Manning! Free Julian Assange!

(Btw. noch ein Fehler: Julian ist kein Brite, sondern als Australier „nur“ ein Bürger des Commonwealth.)

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