Piratenpartei

Die Piraten sind keine homogene Gruppe – wie auch jede andere Partei.
Berühmt-berüchtigt ist da die TeaParty innerhalb der Republikaner in den USA.

Aber auch die Parteien in Deutschland haben ihre Flügel.
Die Union hat den erzkonservativen Berliner Kreis.
Bei der FDP hat der neoliberale Flügel gegen die Liberalen (aka Sabine Leutheusser-Schnarrenberger) gewonnen.
Die Linken haben Kommunisten und Politiker.
Und berühmt ist der Streit bei den Grünen. Nach 30 Jahren geht es immer noch Fundis gegen Realos.

2009 wurde bei den Piraten noch zwischen Vollis und Kernis gestritten. Also zwischen den Befüwortern eines Vollprogramms und denen, die sich auf die Kernthemen konzentrieren wollten.
2012 ist dieser Kampf entschieden – die Piraten werden nach und nach zu einer Partei, die auf alle Fragen eine Antwort – oder zumindest eine Gegenfrage – hat.

Jetzt ist die Frage, ob wir überhaupt noch Kernthemen haben. Ob wir noch einen Markenkern haben. Ob wir noch eine gemeinsame Grundlage haben.

Baden-Württemberg hat als erstes Bundesland so ziemlich alle Direktkandidaten für die Bundestagswahl 2013 aufgestellt. Und auch die Listenkandidaten.
Um eines vorher klarzustellen – ich will nicht nachtreten, weil ich nicht gewählt worden bin. Mir waren schon vorher meine nicht vorhandenen Chancen klar, weil ich mein Maul zu weit aufreisse.

Sehen wir uns die Liste an.
Wir haben ein BuVo-Mitglied, das bisher hauptsächlich dadurch aufgefallen ist, daß es keine Meinung hat. Das muß sich als Kandidat ändern. Bin zuversichtlich.
Wir haben ein Neumitglied, das erst jahrelang bearbeitet werden mußte, um Pirat zu werden. Das sich überlegt hat, ob es seine Position vielleicht leichter bei den Grünen oder den Linken durchsetzen kann.
Wir haben einen Kandidaten, der dadurch auffällt, destruktiv gegen Beschlüsse der Parteitage zu twittern.
Wir haben Kandidaten, die ein Themengebiet haben, das durchaus piratig ist. Aber die von den Kernthemen der Piraten nichts wissen.

Die Piraten gehen thematisch in die Breite. Und das ist gut.
Trotzdem sollten wir noch einen Kern haben. Ein Alleinstellungsmerkmal. Wenn wir uns in einzelnen Themen wie die Etablierten im Klein-klein verzetteln, im Herumdoktoren an Symptomen verlieren, dann werden wir wie die etablierten Partei. Mehr als liquid. Überflüssig.

Das können die einzelnen Flügel von Union bis Linke auch – mit der gleichen Beliebigkeit und Chance.

So sehe ich das.

Klick mich

Viel wird über das Buch von Julia Schramm diskutiert.
Nö, eigentlich wird über ihr Vorgehen diskutiert.

Mich persönlich stört die Verquickung von Vorstand und Buch.
Julia hat bei ihrer Vorstellung für den Bundesvorstand sinngemäß gesagt: Wählt mich in den Vorstand, dann verkauft sich mein Buch und dadurch habe ich die Zeit und das Geld, mich voll für die Piratenpartei einzusetzen.
Imho sehr unschön, aber das ist Vergangenheit. Julia wurde gewählt (trotz oder wegen dieser Aussage) und sie hat das Buch herausgebracht.

Jetzt wird heftig gestritten, ob sie mit der Wahl des Vertriebs gegen piratige Grundsätze verstoßen hat.

Sehe ich nicht so.

Für mich steht die persönliche Freiheit an oberster Stelle. Dazu gehört auch die Freiheit, eine Lizenz zu wählen.
Julia hat sich für diese entschieden.

Julia hat sich für ein sterbendes Geschäftsmodell entschieden. Ihre Sache.
Sie hat sich dafür entschieden, obwohl sie genau wissen müßte, daß das Buch auch im Internet auftaucht. Und nie wieder daraus verschwinden wird.
Und daß sie dann dagegen vorzugehen versuchen muß.
Meiner Meinung nach dumm, aber ihre Sache.

Immerhin hat sie durchgesetzt, daß der Verlag die Rechte nur für 10 Jahre bekommt. Das ist weniger als was verschiedene Überlegungen der Partei sind (10 Jahre nach Tod, z.B.).
Nur hat sie das nicht kommuniziert.
Offensiv angekündigt wäre das ein richtig guter Coup für die Piraten gewesen. Seht her, so geht das!

Die Piratenpartei will ja auch weder das Urheberrecht abschaffen noch Verwertungsgesellschaften verbieten. Jeder nach seiner Faćon.

Ich werde mir das Buch übrigens weder kaufen noch herunterladen. Auch nicht für umsonst. Es interessiert mich nicht.
Aber Bücher, die mich interessieren, die kaufe ich. Oder leihe mir sie aus.
Ich hasse es, Bücher am Bildschirm zu lesen.
Papier und Karton – das ist der Mehrwert, mit dem Geld zu verdienen ist.
Hätten mich die Leseproben, die im Internet herumschwirren, überzeugt, würde ich Julias Buch kaufen. Nicht herunterladen.

So sehe ich das.

CSD Ulm.Neu-Ulm 2012

Hier wollte ich eigentlich einen tollen Artikel zur Selbstdarstellung schreiben.
Dafür habe ich extra alle Leute, die mich photographierten, gebeten, mir die Photos zu schicken. Von vielen bekam ich diese auch.
Ein Beispiel:

CSD Ulm 2012
Rechts ich.
cc-by-sa mm2net.de

Aber bei der Nachfrage nach der Lizenz und ob ich die Photos veröffentlich darf, kam bei circa der Hälfte, daß ich sie besser gar nicht oder nur nach Unkenntlichmachung des Gesichts bloggen dürfe.
Weil Bekannte und/oder Chefs diese Bilder sehen könnten. Weil man deswegen Nachteile haben könnte. Und wenn man „nur“ schief angeschaut wird.

Im Jahr 2012.

Das macht klar, daß Schwule, Lesben, Transgender, Transvestiten,… immer noch für ihre Rechte kämpfen müssen. Es ist traurig.
Wir können in Deutschland im Jahre 2012 also immer noch nicht unsere sexuelle Identität frei ausleben.
Wir sind immer noch weit weg von einer freien und liberalen Gesellschaft, die Menschen so akzeptiert wie sie sind.

Auch die Augsburger Allgemeine hat über den CSD Ulm.Neu-Ulm berichtet – mit einem Bild von meiner Rückansicht. Nach Protesten über diese „widerliche Ansicht“ wurde dieses Bild zumindest online (ich weiß nicht, ob es auch im Print war) entfernt. Es ist traurig.
(Deshalb kein Link.)

Wir brauchen also in Deutschland noch viele Christopher Street Days. Und ich bin nächstes Jahr auch wieder dabei.

So sehe ich das.

Hier noch Links zu Photostrecken:
CSD Ulm.Neu-Ulm e.V.
mm2net.de

Gigaliner

Das Thema kocht ja wieder hoch. Und auch im gestrigen Kandidatengrillen der Piraten Baden-Württemberg war eine rein gefühlsmäßige Ablehnung bemerkbar.
Güter sollen doch besser per Bahn transportiert werden.

Schauen wir uns die Fakten an. (Ich habe telephoniert)
Die Bahn übernimmt keinerlei Garantien für eine termingerechte Zustellung. In der Zeit des Just-In-Time ein erstes Ausschlußkriterium. Kühltransporte macht die Bahn auch nicht – höchstens den Transport von Kühlbrücken. Ohne darauf zu achten, daß der Diesel in den Brücken nicht ausgeht.
Und das schafft nicht einmal die Spedition und 100%-ige Bahntochter Schenker.
Rufe ich bei einer anderen bundesweiten Spedition an, habe ich eine Garantie auf eine Zustellung innerhalb von 48 Stunden (bei Kühlgut). Und die Zusicherung, daß die Kühlkette nicht unterbrochen wird.
Normales Transportgut muß ich bis 12 Uhr mittags anmelden, um sicher zu gehen, daß es bis zum nächsten Vormittag am Ziel eintrifft. Je nach Uhrzeit kostet das Aufpreis. Aber es geht. Anders als bei der Bahn.

Also die Bahn ist raus.

Was bleibt ist der LKW.
Sind ja auch genug unterwegs. Oder zuviele.
Aber es braucht die LKW. Also was kann man tun?
Hier kommt der Gigaliner – auch wenn die Bezeichnung falsch ist. Gigaliner ist ein Markenname. Die korrekte Bezeichnung wäre überlanger Lastkraftwagen. Egal.

Und hier kommt auch der Fehler des Bundesverkehrsministeriums.
Der auch EuroCombi benannte Lastwagen soll auf gut 25 Meter Länge begrenzt werden. Damit ist er aber nicht flexibel. Eine Übersicht der EuroCombis gibt es in der Wikipedia.
Der Nachteil an solchen Fahrzeugen ist, daß sie wie normale LKW eingesetzt werden müssen. Haus-zu-Haus-Service.
Meiner Meinung nach falsch.

Unbestritten ist, daß wir Güter über lange Strecken transportieren müssen.
Unbestritten ist wohl auch, daß die Bahn das nicht leisten kann.
Dann muß der LKW ran.

Nur ist ein 40-Tonner mit 18 Metern Länge Verschwendung ohne Ende. Angepaßt an alte Städte mit engen Kurven.

Schauen wir nach Australien, schauen wir auf die Road-Trains.
Mein Vorschlag ist, daß wir in Europa ähnliches machen.
LKW mit zwei echten Sattelaufliegern im Fernverkehr.
Ich hab mal die Wikipedia-Bilder bearbeitet so wie ich mir das vorstelle.

Teraliner

Damit kämen wir auf eine Gesamtlänge von 36 Metern. Also noch mal 11 Meter mehr als die derzeitigen Gigaliner. Ich nenn sie Teraliner. Mit 60 Tonnen Gesamtgewicht.
Klar ist, daß diese Monster nicht über Landstraßen oder gar in Städte fahren können.
Deshalb nur eine Freigabe für mindestens 4-spurige Straßen.
Und vor der Stadt wird der Dolly mit dem 2. Auflieger abgekoppelt. Und als ganz normaler Sattelzug wird in die Stadt gefahren. Danach wird umgesattelt und wieder fährt ein normaler Sattel zum Abladen.

Nachteile:
* Lohnt sich nur auf wirklich langen Strecken. Da sollte eine europaweite Regelung her.
* Es gibt keine passenden Parkplätze. Das wird aber der Markt regeln.

Vorteile:
* Doppelte Nutzlast bei kaum erhöhten Verbrauch (ändert sich im Stau – aber weniger LKW, weniger Stau)
* Weniger Straßenbelastung, da geringere Achslast (60 t bei 10 Achsen vs 40 t bei 5 Achsen)
* Verbesserte Bremsleistung (10 Achsen bremsen 60 t statt 5 Achsen bremsen 40 t)
* bestehende Infrastruktur in den Städten reicht aus
* Flexibilität für Speditionen (braucht man keinen Teraliner, hat man einen normalen Sattel)

So sehe ich das.

Diskussion frei.