Gigaliner

Das Thema kocht ja wieder hoch. Und auch im gestrigen Kandidatengrillen der Piraten Baden-Württemberg war eine rein gefühlsmäßige Ablehnung bemerkbar.
Güter sollen doch besser per Bahn transportiert werden.

Schauen wir uns die Fakten an. (Ich habe telephoniert)
Die Bahn übernimmt keinerlei Garantien für eine termingerechte Zustellung. In der Zeit des Just-In-Time ein erstes Ausschlußkriterium. Kühltransporte macht die Bahn auch nicht – höchstens den Transport von Kühlbrücken. Ohne darauf zu achten, daß der Diesel in den Brücken nicht ausgeht.
Und das schafft nicht einmal die Spedition und 100%-ige Bahntochter Schenker.
Rufe ich bei einer anderen bundesweiten Spedition an, habe ich eine Garantie auf eine Zustellung innerhalb von 48 Stunden (bei Kühlgut). Und die Zusicherung, daß die Kühlkette nicht unterbrochen wird.
Normales Transportgut muß ich bis 12 Uhr mittags anmelden, um sicher zu gehen, daß es bis zum nächsten Vormittag am Ziel eintrifft. Je nach Uhrzeit kostet das Aufpreis. Aber es geht. Anders als bei der Bahn.

Also die Bahn ist raus.

Was bleibt ist der LKW.
Sind ja auch genug unterwegs. Oder zuviele.
Aber es braucht die LKW. Also was kann man tun?
Hier kommt der Gigaliner – auch wenn die Bezeichnung falsch ist. Gigaliner ist ein Markenname. Die korrekte Bezeichnung wäre überlanger Lastkraftwagen. Egal.

Und hier kommt auch der Fehler des Bundesverkehrsministeriums.
Der auch EuroCombi benannte Lastwagen soll auf gut 25 Meter Länge begrenzt werden. Damit ist er aber nicht flexibel. Eine Übersicht der EuroCombis gibt es in der Wikipedia.
Der Nachteil an solchen Fahrzeugen ist, daß sie wie normale LKW eingesetzt werden müssen. Haus-zu-Haus-Service.
Meiner Meinung nach falsch.

Unbestritten ist, daß wir Güter über lange Strecken transportieren müssen.
Unbestritten ist wohl auch, daß die Bahn das nicht leisten kann.
Dann muß der LKW ran.

Nur ist ein 40-Tonner mit 18 Metern Länge Verschwendung ohne Ende. Angepaßt an alte Städte mit engen Kurven.

Schauen wir nach Australien, schauen wir auf die Road-Trains.
Mein Vorschlag ist, daß wir in Europa ähnliches machen.
LKW mit zwei echten Sattelaufliegern im Fernverkehr.
Ich hab mal die Wikipedia-Bilder bearbeitet so wie ich mir das vorstelle.

Teraliner

Damit kämen wir auf eine Gesamtlänge von 36 Metern. Also noch mal 11 Meter mehr als die derzeitigen Gigaliner. Ich nenn sie Teraliner. Mit 60 Tonnen Gesamtgewicht.
Klar ist, daß diese Monster nicht über Landstraßen oder gar in Städte fahren können.
Deshalb nur eine Freigabe für mindestens 4-spurige Straßen.
Und vor der Stadt wird der Dolly mit dem 2. Auflieger abgekoppelt. Und als ganz normaler Sattelzug wird in die Stadt gefahren. Danach wird umgesattelt und wieder fährt ein normaler Sattel zum Abladen.

Nachteile:
* Lohnt sich nur auf wirklich langen Strecken. Da sollte eine europaweite Regelung her.
* Es gibt keine passenden Parkplätze. Das wird aber der Markt regeln.

Vorteile:
* Doppelte Nutzlast bei kaum erhöhten Verbrauch (ändert sich im Stau – aber weniger LKW, weniger Stau)
* Weniger Straßenbelastung, da geringere Achslast (60 t bei 10 Achsen vs 40 t bei 5 Achsen)
* Verbesserte Bremsleistung (10 Achsen bremsen 60 t statt 5 Achsen bremsen 40 t)
* bestehende Infrastruktur in den Städten reicht aus
* Flexibilität für Speditionen (braucht man keinen Teraliner, hat man einen normalen Sattel)

So sehe ich das.

Diskussion frei.

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Ein Gedanke zu „Gigaliner

  1. Pingback: Güter auf die Schiene | PiratLaser

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