Klick mich

Viel wird über das Buch von Julia Schramm diskutiert.
Nö, eigentlich wird über ihr Vorgehen diskutiert.

Mich persönlich stört die Verquickung von Vorstand und Buch.
Julia hat bei ihrer Vorstellung für den Bundesvorstand sinngemäß gesagt: Wählt mich in den Vorstand, dann verkauft sich mein Buch und dadurch habe ich die Zeit und das Geld, mich voll für die Piratenpartei einzusetzen.
Imho sehr unschön, aber das ist Vergangenheit. Julia wurde gewählt (trotz oder wegen dieser Aussage) und sie hat das Buch herausgebracht.

Jetzt wird heftig gestritten, ob sie mit der Wahl des Vertriebs gegen piratige Grundsätze verstoßen hat.

Sehe ich nicht so.

Für mich steht die persönliche Freiheit an oberster Stelle. Dazu gehört auch die Freiheit, eine Lizenz zu wählen.
Julia hat sich für diese entschieden.

Julia hat sich für ein sterbendes Geschäftsmodell entschieden. Ihre Sache.
Sie hat sich dafür entschieden, obwohl sie genau wissen müßte, daß das Buch auch im Internet auftaucht. Und nie wieder daraus verschwinden wird.
Und daß sie dann dagegen vorzugehen versuchen muß.
Meiner Meinung nach dumm, aber ihre Sache.

Immerhin hat sie durchgesetzt, daß der Verlag die Rechte nur für 10 Jahre bekommt. Das ist weniger als was verschiedene Überlegungen der Partei sind (10 Jahre nach Tod, z.B.).
Nur hat sie das nicht kommuniziert.
Offensiv angekündigt wäre das ein richtig guter Coup für die Piraten gewesen. Seht her, so geht das!

Die Piratenpartei will ja auch weder das Urheberrecht abschaffen noch Verwertungsgesellschaften verbieten. Jeder nach seiner Faćon.

Ich werde mir das Buch übrigens weder kaufen noch herunterladen. Auch nicht für umsonst. Es interessiert mich nicht.
Aber Bücher, die mich interessieren, die kaufe ich. Oder leihe mir sie aus.
Ich hasse es, Bücher am Bildschirm zu lesen.
Papier und Karton – das ist der Mehrwert, mit dem Geld zu verdienen ist.
Hätten mich die Leseproben, die im Internet herumschwirren, überzeugt, würde ich Julias Buch kaufen. Nicht herunterladen.

So sehe ich das.

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2 Gedanken zu „Klick mich

  1. Gut geschrieben, nur leider greifst du die Punkte zu oberflächlich auf ohne die Knackpunkte weiter zu verfolgen: Genau jene unglückliche Kommunikation, Wankelmütigkeit und Ego-Schiene (die meisten würden das wohl „unpiratig“ insgesamt nennen) machen sie ja gerade in meinen Augen für so ein Amt denkbar ungeeignet.
    Andererseits geht mir die Piratenfraktion der alles-frei-wir-ignorieren-die-bestehende-Marktwirtschaft-Anhänger auch auf die Nerven – aber eben bei weitem nicht so, weil diese einfach näher an einer unserer Zukunftsvisionen dran sind…

  2. Ich stimme dem auch zu.
    Zwei Punkte:
    1. Ja! Julia hätte wissen müssen, dass es zu dieser Ausschlachtung in den Medien kommt, und es leicht (wie Du schreibst) durch offensives Ankündigen in „piratig“ wandeln können.
    2. Nach dem aktuellen Entwurf sollen die *Verwertungsrechte* nach 20 Jahren wieder an den Urheber zurück fallen. Die Urheberschaft (bleibt auch während der Verwertungszeit beim Künstler) soll erst 10 Jahre nach dessen Tod an die „Allgemeinheit“ übergehen. Das ist in Deinem Beitrag missverständlich dargestellt.

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