Es wird Zeit für Ulm 21

Es muß ja kein 7-Milliarden-Euro-Projekt sein, bei dem man eine halbe Stadt verbuddelt, wie in Stuttgart.
Aber der Ulmer Hauptbahnhof ist im Wesentlichen jetzt über 60 Jahre alt und schon lange nicht mehr auf der Höhe der Zeit.
Und er hängt über das Bahnprojekt Stuttgart – Ulm doch mit Stuttgart 21 zusammen.

Das hat die Deutsche Bahn vor der Volksabstimmung über den Ausstieg des Landes Baden-Württemberg aus der Finanzierung von S21 immer wieder betont. Mit dem Erfolg, daß im Stadtkreis Ulm die drittstärkste „Befürwortung zu S21“ erzielt wurde.
Die Volksabstimmung ist vorbei – und plötzlich ist keine Rede mehr von den Vorteilen für Ulm. Das habe ich schon geschrieben.

Aber egal, ob mit oder ohne S21, egal, was S21 kostet, Ulm braucht einen neuen Bahnhof.

Schauen wir uns das Bahnhofsgelände an (Zahlen in eckigen Klammern werden sich in diesem Post auf dieses Bild beziehen).
OpenStreetMap
© OpenStreetMap-Mitwirkende CC BY-SA

[1] zeigt die Bahnhofshalle – wenn man auf den Gleisen 2 bis 8 in Ulm ankommt, sieht der Aufgang dazu so aus.
Tor zur Stadt

In der anderen Richtung wird dieser Tunnel immer enger [2].
Irgendwo dahinten ist Gleis 8

Nicht schön, oder?
Oder anders ausgedrückt – unwürdig für eine 120,000-Einwohner-Stadt.
Der neue Bahnhof in Stuttgart soll übrigens so aussehen.
S21 - Planung
© Visualisierungen: Aldinger & Wolf, Atelier Peter Wels, ingenhoven architects

Aber wo ist denn da der Aufzug – oder wenigstens eine Rampe – für Fahrräder, Kinderwagen und Rollstuhlfahrer?
Keine Angst, ist alles da!
Man muß nur ein bißchen suchen, da die Rampe nirgends ausgeschildert ist. Man findet sie im Norden des Bahnhofs [4].
Bei den Gleisen 4, 5a, 5b und 6 sieht sie dann so aus [5].
Mit Vollgas ins Glück
Ich bezweifle, daß ein Rollstuhlfahrer das ohne Hilfe schafft. Auch mit Kinderwagen und Gepäck möchte ich da weder rauf noch runter. Ursprünglich waren diese Rampen auch nur für diese motorisierten Postwagen gedacht.

Auf dem nächsten Bild sieht man den „barrierefreien“ Zugang zu den Gleisen [3].
Barrierefreiheit in Ulm
Ulm hat doch 8 Gleise (plus 2 im Bayrischen Bahnhof), wieso steht da Zugang zu den Gleisen 2 bis 6?
Richtig. Keine Rampe zu den Gleisen 7 [6] und 8 [7]. (Ich Dummerchen habe die Karte doof durchnummeriert, bin aber zu faul, das zu ändern :-P)
Immerhin kommt man zu Gleis 5b [8] nach einer Wanderung von gut 1.5 Kilometern von der Bahnhofshalle aus.

Um wieviel einfacher wäre der Zugang zu den Gleisen, wenn man sie vom neuen 10-Millionen-Euro-Bahnhofssteg [11] erreichen könnte. Der hat Aufzüge auf beiden Seiten der Gleise. Aber leider keine Abgänge zu den Bahnsteigen. Das wäre nämlich Sache der Bahn, die zu bezahlen. Aber die hat kein Geld, weil sie da was in der Landeshauptstadt bauen muß.
Bahnhofssteg

Vor der Volksabstimmung hat die Bahn übrigens auch versprochen, die Südbahn Ulm – Friedrichshafen zu elektrifizieren. Dann könnte man diesen Schrottplatz im Herzen einer Großstadt [9] endlich entfernen, da die Gleise nicht mehr für Rangierbetrieb benötigt werden.
Schrottplatz

Die Stadt Ulm muß endlich bei der Bahn darauf bestehen, daß diese ihre Zusagen und Versprechen auch einhält.
Nicht umsonst hat sie auf der Zusage zu einem Umbau des Bahnhofs auch ein Hotel [10] gekauft, dessen Bilanz nirgends aufzufinden ist.
IC-Hotel
Und seit Jahren betreibt die Stadt einen 300,000-Euro-Werbe-Pavillon [12] für den City-Bahnhof – auch wenn der eigentlich nur Werbung für das Projekt Stuttgart – Ulm ausstellt.
Werbung

So sehe ich das.
Ich liebe mein Ulm.

Advertisements

Ein Gedanke zu „Es wird Zeit für Ulm 21

  1. Pingback: Die Stadt zahlt für die Bahn | PiratLaser

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s