PEgIdA

Vorneweg: Ich bin nicht aus Dresden / Sachsen. Ich komme aus dem beschaulichen Ulm. Hier ist Faschismus kaum ein Thema – und wenn er kommt, gibt es hier regelmäßig ein breites Bündnis dagegen.

Aber vielleicht ist das auch gut für eine differenziertere Betrachtung.
Ich höre viel, daß PEgIdA (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlands) alles N*zis wären.
Glaube ich nicht. Diese Bewegung ist viel gefährlicher.

Am Anfang waren das schlicht Rechtsextreme, die einen PR-Coup hingelegt haben.
Von einer Islamisierung des „Abendlandes“ kann ja gerade in Sachsen nicht die Rede sein.
Hier wird ein altes Spiel gespielt. Es wird ein imaginäres Feindbild erschaffen. Ein gemeinsamer Feind ist immer gut.
Der muß herhalten, wenn es einem nicht gut geht, wenn man keine Arbeit, keine Freundin hat. Oder sonstwie unzufrieden ist.
Und weil kaum einer in Sachsen – mangels Masse – einen muslimischen Bekannten hat, ist das ein guter Feind.

Auf so einen Feind kann man all seinen Frust abladen.
Ganz egal, ob es die Arbeitslosigkeit ist, daß man keine Freundin findet, daß das Bier so scheiße schmeckt, daß man keinen mehr hochkriegt.
Ohne $Feind wäre alles viel besser – und die Regierung tut alles für $Feind, aber nichts für mich.

„Die Regierung“ – das ist das eigentliche Thema.

PEgIdA ist die Schlagzeile – Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes.
Und es tummeln sich Neo-N*zis da drin.
Viel gefährlicher ist aber, daß dort alles geduldet wird.
„Putin hilf“ wurde skandiert. Genausogut würde wohl „help me, Obama“ geduldet.
Das ist keine Bewegung, die für etwas steht, sondern ein Sammelsurium von gegen.
@KompaLaw hat das schön gesagt: Darf ich bei PEgIdA mitmachen, wenn ich gegen die Milchpreise bin?

Dazu paßt, daß dieser Oberführer der PEgIdA die Parole ausgegeben hat, nicht mit der Presse zu sprechen.
Jeder, der ein Anliegen hat, wäre froh um den Presserummel – die Pegidisten wissen aber ganz genau, daß sie sich damit auf irgendwas festlegen müssen. Und das wollen sie nicht. Unbestimmt bleiben, alle Unzufriedenen einsammeln.

Das ist übrigens genau das Gleiche wie bei der sogenannten AfD.
Die hat auch nur ein Thema – und selbst da hat sie keinen Kurs.
Diese Reduktion auf ein Thema zieht aber auch Leute an, die ihre Meinung bei anderen Themen durchsetzen wollen.
Auch bei den Piraten war das so – Umfragewerte bis zu 13% kamen nur dadurch zustande, weil Jeder etwas in die Partei hineininterpretieren konnte.

Bei Pegida und AfD sind das hauptsächlich Menschen, die politisch rechts der Mitte stehen.
Es sind nicht alles N*zis.
Aber diese Menschen geraten in den Sog der Neo-N*zis.
Und das ist das Gefährliche.
Rechtsaußen wird so salonfähig.

Was kann man dagegen tun?

Das ist in der Tat schwierig – und ich glaube, daß es kein Patentrezept gibt.
Völlig falsch ist aber, die Menschen bei den Demos einfach als N*zis zu beschimpfen. Das läßt sie nur zusammenrücken gegen die „Gutmenschen“. Das stärkt die Bewegung.
Man kann, man muß diskutieren. Mit Zahlen, mit Fakten. Damit erreicht man natürlich nicht die Rechtsextremen – aber vielleicht kann man die erreichen, die eben (noch) nicht radikalisiert sind.
Und so pervers das klingt – die Union macht das Richtige. Sie rückt noch weiter nach rechts. Ich bin mir sicher, nachdem die Phänomene Pegida und AfD ausgetrocknet und vereinnahmt sind, wird sie wieder zu ihrer politischen Beliebigkeit zurückkehren. Die ist zwar schlimm genug, aber besser als die Alternative.

Wirklich helfen wird aber nur, wenn die Regierungen, insbesondere CDU / CSU / SPD, endlich mit ihrer menschenverachtenden Politik aufhören.
Wenn sie endlich anfangen, Politik für die Menschen zu machen.
Wenn sie endlich damit aufhören, Feindbilder aufzubauen, um ihre Überwachungsgesetze durchzusetzen.

Diese künstlich durch Politik und Presse aufgebauten Feindbilder haben AfD und Pegida erst möglich gemacht.

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