Güter auf die Schiene

Ein alter Spruch, ein richtiger Spruch. Im Prinzip.
Jetzt legt die Bahn ein Viertel der Güterverladestationen still.
Warum?

Die profane Erklärung ist, daß diese Stationen unrentabel sind. Aber warum?

Als gutes Beispiel werden gern die Schweiz oder Österreich angeführt, wo die Bahn prozentual viel mehr Güter transportiert.
Jetzt sind aber diese Länder – Entschuldigung – nicht gerade European Player wie Deutschland, das zentral in der Mitte Europas liegt.
Deutschland ist im europäischen Schienennetz der Knotenpunkt – ob von Ost nach West oder Süd nach Nord und vice versa.
Und das nicht nur im Güter- sondern auch im Personenverkehr.

Und der Personenverkehr hat Vorfahrt.
Güterzüge fahren deshalb heutzutage hauptsächlich nachts. Mit den entsprechenden Beschwerden der Anwohner der Strecken.

Das ist der Grund, warum die Bahn nicht just in time liefern kann. Just in time ist aber in unserer schnellebigen Zeit immer wichtiger. Kein Mensch ist bereit vier oder fünf Tage auf sein Päckchen von Amazon zu warten.
Und auch die Industrie will keine Lager, denn die kosten Geld.
Für das Opel-Werk in Eisenach kommen die Sitze aus Spanien – Zeitfenster sind fünf Minuten! Die Garnituren werden direkt vom LKW über ein Schienensystem in die Produktion gebracht.
Ein Streik der Bahnarbeiter in Frankreich, oder auch nur das Warten auf einen Personenzug in Deutschland, hat da einen Stillstand des Produktionsbands zur Folge.

Ein weiteres Problem ist die strukturbedingte Unflexibilität der Bahn.
Eine LKW-Spedition schickt täglich von Ulm eine Wechselbrücke nach Bremen, eine nach Hamburg. Wenn es sein muß auch zwei.
Die Bahn muß erst einen Zug zusammenstellen. Da wird bei den jetzt schließenden Verladestationen ein Waggon gepackt, der kommt dann nach Ulm. Von da geht es zum nächstgrößeren Güterbahnhof. Dort wird alles wieder umgeladen und der Zug geht irgendwohin nach Norddeutschland. Hier muß dann wieder sortiert und auf einzelne Züge verladen werden.
Das ist schlicht zu langsam und auch ineffektiv.

Letzteres läßt sich auch nicht damit lösen, daß man das Schienennetz für Güter von dem für Personen entkoppelt. Auf gut deutsch – selbst eine Verdoppelung der Schienenkilometer wird dieses Problem nicht beseitigen.

Fazit: Die Bahn taugt nicht für das, was heutzutage meist von LKW transportiert wird.
Die Bahn ist gut für regelmäßige Lieferung großer Mengen, bei denen es beim Termin nicht auf den Tag ankommt. Schüttgut. Täglich 200 BMW nach Rotterdam. Die Lieferung von 40 Tonnen Glyphosat pro Woche. Sowas.
Und da konkurriert die Bahn nicht mit dem LKW, sondern mit der Binnenschiffahrt.

Was mich aber aufregt ist, daß die Bahn jetzt Bahnhöfe und Verladestationen teuer verkauft, die sie im Zuge der Privatisierung vom Staat – und somit vom Steuerzahler – geschenkt bekommen hat!
Wenn die Bahn diese Geschenke nicht (mehr) nutzen will, muß sie diese wieder an den Staat abtreten!

Advertisements

Ein Gedanke zu „Güter auf die Schiene

  1. Gute Idee das die Bahn unbenutzte Bahnhöfe und Verladestationen an den Staat zurückgeben soll. Der Staat könnten dann mit diesen Grundstücken und Gebäuden viele nützliche Sachen machen, z.B…
    …mir fällt gerade nichts ein, aber irgendeine Verwendung für diese Industriebrachen wird es schon geben.
    Im Notfall muß der Bund eben seine Vermögensverwaltung aufstocken, das schafft zumindest Arbeitsplätze für Beamte. Die Verwalten die Grundstücke jahrzente bis sie irgendwann mal an private Investoren verkauften werden, und mit den eingenommen Gelden kann der der Staat z.B. den Schienenbau fördern, etwa in dem er seinen Anteil an privaten Unternehmen wie der Bahn aufstockt… ups, dieses private Unternehmen ist schon zu 100% in Staatsbesitz ?

    Bei der Privatisierung der Bahn wurde nur die Rechtsform des Unternehmens geändert, verschenkt wurde da gar nichts, da neuer und alter Eigentümer gleich sind.

    Ansonsten informativer Blogpost.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s