Friedrich-Ebert-Straße

Neuer Baubürgermeister, neue Diskussion.
Tim von Winning hat die Debatte über den Rückbau der Friedrich-Ebert-Straße neu angefacht.
Reichen zwei Fahrspuren oder braucht es wie bisher vier?

Persönlich plädiere ich ja schon lange für 2 Spuren, wobei mir ja eine unterirdische Lösung am liebsten wäre. Letztere ist leider durch eine andere Tiefgaragen-Verwirklichung weggefallen – nur ein Tunnel ist nicht finanzierbar, zumal man wegen der Bahnhofspassage auf Ebene -2 müßte.

Das Gutachten von Herrn von Winning geht davon aus, daß es in den Hauptverkehrszeiten bei der 2-spurigen Lösung eine kaum merkbare Entschleunigung auf der Ebertstraße gibt. Auch bei einem leicht ansteigenden Verkehrsaufkommen bis zum Jahr 2030.
Genau der Verkehrsfluß ist es aber, was den Geschäften in der City Sorgen bereitet. Sie haben Angst, daß die Kunden in andere Städte oder in’s Internet abwandern, wenn sie in Ulm im Stau stehen.

Erstmal meine ganz persönliche Situation.
Ich kaufe öfters in der Ulmer City ein – weil ich kein Auto habe! Von Wiblingen bin ich im 10-Minuten-Takt innerhalb von 15 Minuten mit dem Bus am Bahnhof und habe da dann diverse Geschäfte direkt vor Ort. Wollte ich das woanders einkaufen, müßte ich entweder teuer Geld zahlen, um in eine andere Stadt zu fahren, oder wäre den halben Tag innerhalb Ulms unterwegs.
Meinen Wocheneinkauf Lebensmittel mache ich natürlich in Wiblingen. Ist natürlich am bequemsten und wird sich auch nicht ändern, wenn in die Sedelhöfe ein Discounter kommt. Wobei… ab und an kann man da noch eine Kleinigkeit holen, wenn man was vergessen hat. Der Edeka in der Galeria ist einfach zu teuer.
Im Internet kaufe ich relativ selten – meist informiere ich mich im Internet, vergleiche da auch die Preise (auch von lokalen Händlern) und kaufe es in der Stadt, wenn der Preis ok ist. Einfach auch, um den Einzelhandel zu unterstützen. Und ich muß nicht warten.

Bewohner der Stadtmitte werden bestimmt einen Supermarkt am Bahnhof auch schätzen. Aber schon aus den Stadtteilen, geschweige denn dem Umland wird wohl kaum jemand zum Lebensmittel kaufen nach Ulm fahren.
In eine City fährt man nicht zum Einkaufen, sondern zum Shopping. Nur wenn es eine bestimmte Ware sonst weit und breit nicht gibt, fährt man gezielt dorthin und 15 Minuten später wieder heim.
Durch die Hirschstraße und die angrenzenden Gebiete schlendert man als Auswärtiger, geht von Geschäft zu Geschäft, hakt die Einkaufsliste ab (weil alles schön nah beieinander ist) und trinkt vielleicht noch etwas. Es ist etwas besonderes, mit der Familie „in die Stadt zu fahren“.
Eine City lebt davon, daß ihre Geschäfte eine Symbiose bilden. Man verbindet den Einkauf beim Sportfachhändler mit dem Kinobesuch und setzt sich dazwischen in ein Café und schaut auch noch in andere Läden rein.
So kenne ich das jedenfalls. Als ich zwischenzeitlich bei Memmingen wohnte, ist die Familie öfters in die „Stadt“ gefahren, manchmal auch nach Kempten – aber der besondere Ausflug war Ulm.

Und da war niemals der Stau ein Thema. Die Parkplatzsuche schon eher. Aber das hat auch niemals abgehalten. Das sieht man ja auch in Ulm an jedem Advents-Samstag. Und jetzt werden ja am Bahnhof ungefähr doppelt soviele Parkplätze gebaut wie damals die Sedelhof-Garage hatte.

Und um jetzt wieder den Bogen zum ursprünglichen Thema zu schlagen: Wenn man dem Gutachten von Herrn von Winning Glauben schenkt, hat der Einzelhandel in der Stadt nichts von einem Rückbau der Friedrich-Ebert-Straße auf zwei Fahrspuren zu befürchten.

So sehe ich das.

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