Wehrpflicht

Keine Ahnung, ob das jetzt wieder ein Sommerloch-Thema ist, aber es gibt offensichtlich Pläne, die Wehrpflicht wieder in Kraft zu setzen. (Es gibt sie ja immer noch, sie ist nur ausgesetzt.) Aus Sicherheitsgründen.
In Verbindung mit der (schon lange gültigen) Empfehlung zur Vorratshaltung von Lebensmitteln, klingt das, als ob sich Deutschland auf einen neuen Krieg vorbereitet.

Aber ganz ehrlich – was wollen wir in der heutigen Zeit mit einer Wehrpflichtigen-Armee?
Zu meiner Zeit betrug die Wehrpflicht nocht 18 Monate (ich war nicht dabei), und selbst da ging schon der Spruch rum, daß die Bundeswehr den Feind so lange aufhalten soll, bis echtes Militär eintrifft.
Was bitte will man mit Jungs mit 9 Monaten Ausbildung anfangen? Die können gerade mal so stramm stehen, beim Marschieren rechts und links unterscheiden und Sandsäcke schleppen.
Sie können garantiert nicht die nicht flugtauglichen Tornados warten oder ein anderes komplexes Waffensystem der modernen Kriegsführung bedienen.

Vielleicht als Vorbereitung für den Einsatz der Bundeswehr im Innern? Äh, nein. Danke, aber nein.
Ich hätte bei der „Terror-Attacke“ in München bestimmt keine schlecht ausgebildeten, nachpubertäre Kinder mit scharfen Waffen durch die Stadt laufen sehen wollen, während überall Panik verbreitet wurde.

Also Sandsäcke schleppen bei Naturkatastrophen und ähnlichem.
Wieso braucht es dafür die Bundeswehr? Das ist nicht ihre Aufgabe.
Dafür zuständig ist das Technische Hilfswerk. Notfalls die Feuerwehr. Und wenn man da nicht genug Freiwillige bekommt, muß man sie halt (anständig) bezahlen.
Der Schutz der Bevölkerung ist die originäre Aufgabe eines Staates.

Deshalb bin ich auch gegen ein verpflichtetes Jahr für den Staat. Oder soziales Jahr. Wie immer man es auch nennen möchte.
Das unterläuft dann doch nur den Mindestlohn. Und schönt die Arbeitslosenstatistik.

Zurück zur Bundeswehr.

Keine Armee der Welt kann ein Land wie Deutschland schützen.
Weder vor einem äußeren Feind noch vor Terrorismus.
Bei einem Angriff auf Deutschland wird es keine Luftkämpfe und Panzerschlachten mehr geben. Ganz zu schweigen von Infanterie-Einheiten im Feld.
Dieser Krieg wäre ein digitaler. Mit Attacken auf die Strom-, Kommunikations- und Wasserversorgung. Die nächste Eskalation sind dann weitreichende Waffen, ferngesteuert und ohne das Risiko von eigenen Verlusten. Und zum Schluß bleiben noch strategische Atomwaffen.
Dagegen kann man sich mit keiner wie auch immer gearteten Armee wehren, schon gar nicht mit ein paar hunderttausend Pionieren und Panzergrenadieren. Man könnte höchstens mit entsprechendem finanziellen Aufwand im Todeskampf dem Aggressor auch noch Verluste zufügen.

Verabschieden wir uns also von der Idee der Landesverteidigung durch die Bundeswehr.
Was wäre eine sinnvolle Aufgabe?
Eine gut ausgebildete Armee an Spezialisten, die möglichst mit UN-Mandat weltweit Genozide verhindert, Waffenruhen überwacht und den Aufbau von Infrastruktur sichert.
Das ist eine Aufgabe, die die Bundeswehr – entsprechend umstrukturiert – leisten könnte.
Das geht aber nicht mit einer Wehrpflichtigen-Armee. Dazu braucht es eine Berufsarmee, oder zumindest langjährige Zeitsoldaten.

So sehe ich das.

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Ein Gedanke zu „Wehrpflicht

  1. In der Ukraine verhindern gerade ein paar bunt zusammengewürfelte, kaum ausgebildete und schlecht ausgerüstete Zivilisten das eine professionelle Armee den Osten zurück erobert.
    In Somalia und im Irak haben schlechte ausgerüstete und kaum ausgebildete Milizen die Truppen der USA vertrieben.
    PKK und FARC sind auch alles andere als Berufssöldner und sind trotzdem erfolgreich.
    Irgendwie scheinen die Cyberangriffe auf Kommunikation, Strom- und Wasserversorgung nicht zu funktionieren, und auch die strategischen Atomwaffen kommen nicht zum Einsatz.

    Natürlich sind 9 Monate Ausbildung nicht ausreichend. 3 Monate Grundausbildung und regelmäßig Wehrübungen wären aber etwas anderes.
    Die Wartung von Tornados und Panzern sollte man den Herstellern überlassen, und die Hersteller vorher verstaatlichen.

    Das man THW und Feuerwehr ordentlich bezahlen muß versteht sich von selbst – aber wieviel muß man denen den zahlen, damit ein rein finanziell motivierter Menschen der als Akademiker bei Vater Staat einen sichern und sauberen Arbeitsplatz hat auf sein Studium verzichtet und statt dessen eine Handwerkliche Ausbildung macht, die er als fest angestellte Mitglied von Feuerwehr und THW braucht ? Nur um sich dann die Hände schmutzig zu machen und sein Leben zu riskieren ?
    Und wäre es nicht besser ein große Anzahl an ausgebildeten Rettungskräften zu haben, die nur im Notfall einberufen werden ?

    Historisch betrachtet ist die Wehrpflicht und die Pflicht zur Brandbekämpfung die älteste Bürgerpflicht – und schon jetzt können Männer für die Feuerwehr zwangsverpflichtet werden.
    Denoch halt ich eine Wehrpflich für falsch.
    Wer sich nicht mit der Gemeinschaft identifiziert sollte nicht gezwungen werden diese Gemeinschaft zu verteidigen und zu schützen (egal ob nun bei THW, ASB, FW oder BW). Er sollte dann aber auch kein aktives und passives Wahlrecht haben…

    Was die Berufssoldaten für UN Missionen angeht:
    Momentan laufen mehrere UN Missionen mit deutsche Beteiligung. Im roten Meer / indischen Ozean schützt die deutsche Marine Matrosen davor von Piraten gekidnappt zu werden. Sprich sie verteidigen deutsche Wirtschaftsinteressen.
    In Afghanistan sollen sie die afghanischen Truppen ausbilden und unterstützen. Die Konferenz auf dem die wichtigsten Afghanischen Gruppen das beschlossen haben fand sogar in Bad Godesberg statt, dazu gabs dann mehrere UN und Bundestagsmandate.
    Aber wie schon eine große Friedensfreundin festgestellt hat: nichts ist gut in Afghanistan !
    Laut anderen ist der Afghanistan Einsatz der Bundeswehr ein völkerrechts- und grundgesetzwidriger Krieg bei dem deutsche Truppen us-amerikanische Interessen durchsetzen.

    Deutsche Truppen sollten nicht im Ausland eingesetzt werden. Dadurch wird die Welt zwar nicht besser, aber wir können eine moralische Überlegenheit daraus ableiten.
    Statt Soldaten sollten wir lieber Künstler, Intelektuelle und Geistliche in Konfliktgebiete schicken, wo sie z.B. mit den Taliban diskutieren, musizieren und beten können.

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