Marionetten

Ich versuche hier mal zusammenzufassen, was ich in unzähligen Diskussionen immer wieder mitbekomme.
Es geht am Rande auch um die Diskussion über ein Fakenews-Verbot.
Es geht um die Wahrheit.

Zuerst eine ganz nüchterne Feststellung: Jeder hat seine eigene Wahrheit.
Diese beruht auf eigenen Erfahrungen, dem Wissensstand und der Filterbubble.
Und ganz stark auf Emotionen.

Im Augenblick lese ich (wieder) das Buch QB VII von Leon Uris.
Die Hauptprotagonisten sind ein polnischer Nationalist und ein polnischer Jude im und nach dem 2. Weltkrieg.
Leon Uris bringt beide Figuren dem Leser nahe. Beide sind Gegner der N*zis. Und beide hassen sich gegenseitig, weil es auch in Polen vor dem Krieg schon Antisemitismus gab. Und die Juden deswegen natürlich die Nationalisten bekämpften.
Uris schafft es, daß sich der Leser in beide hineinversetzen kann. Für beide eine Sympathie entwickelt. Obwohl beide nicht frei von Fehlern sind, der eine mehr, der andere weniger.
Es ist egal, wie das Buch ausgeht. Der Leser verliert immer. Und gewinnt immer.
Egal ob am Ende der „gewinnt“, der kollaboriert hat, oder der, der von Rache getrieben, den anderen vernichten will.

So ist das Leben. So ist die Wahrheit. Es gibt kein reines Schwarz und kein reines Weiß.

Die Welt ist kein Karl-May-Roman, in dem Winnetou der edle Apache ist, ein humanistischer Indianer.
Und ich bin mir sicher, daß wenn Karl May diese Romane aus der Sicht eines Soldaten der 7. Kavallerie geschrieben hätte, dann wäre Winnetou in unseren Augen jetzt ein feiger Frauenschlächter, der hinterrücks angreift.
In einem Roman oder einem Film ist es einfach, den Helden als gut und die anderen als abgrundtief böse hinzustellen. Die Menschen wollen das lesen. Sie wollen ein Idol. Eine Identifikationsfigur.

Das war jetzt ein ganz einfaches Beispiel, wie manipulativ Medien sein können.

Übertragen wir das in das Internet-Zeitalter.
Heute gibt es immer mehr Menschen, die Nachrichten in Frage stellen. Und das ist im Prinzip auch nicht schlecht.
Wir haben Pegida, die „Wir sind das Volk!“ rufen. Wir haben die AfD, die Volksentscheide fordert, weil sie sich in der Mehrheit wähnen. Wir haben eine Kanzlerin, die sagt, daß wir etwas schaffen, ohne ein Konzept vorzulegen.
Wir haben zig Medien, mit denen wir uns informieren können. Von der Neuen Freiheit über die FAZ und die TAZ bis zu RT deutsch. Und natürlich die ganzen neuen Medien.
So erhält jeder von uns seine eigene Wahrheit, je nachdem, was er gerade so liest.

Damit aber möglichst viele die eigene Wahrheit teilen, muß man jetzt versuchen, die andere Seite mundtot zu machen.
Von rechts wird Lügenpresse gerufen, von links kommen Boykott-Aufrufe.
Beides wird von der eigenen Filterbubble gesteuert. Ich nehme mich da nicht aus! Auch ich bin weggekommen von dem „Denk selbst“, das die Piratenpartei mal eine Zeitlang propagiert hat. Dann bin ich der Parteimeinung gefolgt. Ohne zu hinterfragen. Bengalos in Fußballstadien sind Fankultur? Dafür!
Und jeder hat die einzig richtige Wahrheit! Abweichungen werden nicht geduldet.

Das Leben, die Wahrheit ist aber vielschichtig.
Und diese Vielschichtigkeit müssen auch Medien abbilden, damit man sich informieren kann. Sonst sind wir wieder bei Karl May.
Es kann daher nichts Schlimmeres geben als ein Wahrheits-Ministerium, über das ja ernsthaft nachgedacht wird! Nur noch gefilterte und politisch korrekte Nachrichten. Dann würden sich nur die AfD-Anhänger bestätigt fühlen. Und noch übler: Laßt dann mal Bernd Höcke Minister für Neusprech werden.

Das Leben, die Wahrheit ist vielschichtig.
Kämpft für diese Vielschichtigkeit.
Gegen Zensur von allen Seiten.
Aber nutzt auch die Möglichkeiten dieser Vielschichtigkeit.
Bedenkt sie.
Versteht sie.
Sonst seid Ihr nur Marionetten.

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