Die Krankenkassen und die Leistungen

Vor ein paar Tagen hat ein Tweet der Techniker-Krankenkasse für Empörung im Netz gesorgt.
Zurecht.
Twitterte die TK doch, daß sie Homöopathie nicht wegen der Wirksamkeit zahle, sondern weil das viele Kunden wünschten.
Auch ich ärgere mich, daß „meine“ Krankenkasse, die AOK BaWue, überteuerte Zuckerkügelchen zahlt.

Jetzt könnte man die Gründe hierfür zusammenstellen. Auch Placebos wirken, wenn man daran glaubt. Was nix koscht, taugt au nix (also die Verstärkung des Glaubens). Undsoweiter. Geschenkt.

Durch einen (dummen?) Zufall wurde aber fast zeitgleich Cannabis als Arzneimittel für Schwersterkrankte zugelassen.
Und die Krankenkassen wollen sich weigern, die Kosten zu übernehmen.
Wegen nicht zu 100 Prozent erwiesener Wirksamkeit.
Auch hier könnte man diskutieren. Natürlich ist Cannabis (meist) kein Heilmittel, aber es hilft erwiesenermaßen, das Leben der Betroffenen einigermaßen erträglich zu machen. Es ist mindestens ein Schmerzmittel. Natürlicher und gesünder als die, die man hier Andreas verschreiben – und bezahlen – will. Und wirksamer.
Ok, betrifft wohl nur ein paar Dutzend arme Schweine. Geschenkt.

Wie sieht es denn sonst so aus bei den Krankenkassen?

Brillen werden gerne angeführt.
Brillen werden von den gesetzlichen Krankenkassen für unter 18-Jährige gezahlt. Und wenn man mit(!) Brille höchstens noch 30(!) % mit dem besseren (!) Auge sieht. Also, wenn man ein blinder Maulwurf ist. Ansonsten gibt es nur einen Zuschuß – ja, richtig gelesen, der Patient muß zahlen und kriegt einen Zuschuß! – je nach Sehschwäche von 10 bis maximal 112.69 Euro pro Glas. Das Gestell darf man sich selber schnitzen.

Zähne
Zahnersatz, Verblendungen oder Kronen werden auch bezuschußt. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, daß der Zuschuß lächerlich ist im Vergleich zu der tatsächlichen Rechnung. Und ja, das kann so schmerzen, daß man bereit ist, fast jeden Preis für eine Krone zu zahlen. Ich hatte Glück, das JobCenter hat die Kosten übernommen – aber wie sollen sich das Menschen leisten, die knapp über Sozialhilfe verdienen? Also z.b. jeder Mindestlöhner?

Medikamente
Was ich jetzt aber wirklich nicht geglaubt habe:
Mein Arzt hat mir wegen Wundrose ein Antibiotikum verschrieben. Entzündung bekämpfen und so. Wenn das Penicillin nicht ausreicht, und die Wundrose sich ausbreitet, sofort ins Krankenhaus. Dafür habe ich extra die Diagnose mitbekommen, damit der Arzt dort sofort Bescheid weiß. Weil sonst eventuell Blutvergiftung oder sonstwas. Exitus.
Und dieses Antibiotikum, das ich anscheinend schon zum reinen Überleben brauche, das kostet 5 Euro Zuzahlung!

Ok, die 5 Euro treibt jeder Hartzer auf, wenn es um’s Überleben geht, aber das ist nicht meine Vorstellung von einem Versicherungs(!)-System – und schon gleich gar nicht, wenn die Zuckerkügelchen-Industrie 528 Millionen Euro (2014) Umsatz macht. Auf Kosten derjenigen, die tatsächlich medizinische Hilfe brauchen.

So sehe ich das.

Mal sehen, vielleicht komme ich mal dazu, den Quatsch des Gesundheitssystems in Deutschland zusammenzuschreiben. So von Privatisierung, über Höchstbeitragssatz bis Rettungsfond…

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Ein Gedanke zu „Die Krankenkassen und die Leistungen

  1. Leck mich am arsch wordpressgefummel. Ich versuchs nochmal:

    Ein Teil der Kritik fußt wohl auch auf der Abrechnung als Rezeptur statt FAM:
    http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/apothekenpraxis/nachricht-detail-apothekenpraxis/medizinalhanf-cannabis-streit-um-apothekerpreise/

    Dazu würde ich allerdings… nun die disqus Debatte spricht für sich:
    Schnauze lieber Arzt, eine Apotheke ist mehr als ein Warenroboter. Und genug apotheken haben eh schon zu kämpfen. Das ist nicht selten ein hausgemachtes Problem, aber sie abkrebsen zu lassen hilft keiner Sau.

    Zum anderen … die 5 Eur Zuzahlung für ad-hoc Medikation find ich legitim – du sträubst dich ja auch nicht dagegen. Bei Chronischem lässt sich ja die Befreiung beantragen.

    Das man parallel aber Zuckerkügelchen Finanziert… nun… Einerseits finanziert man jedem Hypochonder den Arztbesuch mit. Das ist akzeptabel, andererseits fehlt hier lustigerweise der aggressive Preisdruck und die Argumentation mit dem Wirksamkeitsnachweis lässt sich für Weed in exakt identischer Form führen, so man auf alle Studien zur Wirksamkeit der Wirkstoffe scheißen will.

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