HartzIV und der 450-Euro-Job

Ich habe jetzt einen 450-Euro-Job, hurra!
Da kann ich mir ein bißchen zu HartzIV dazu verdienen. Bis zu 170 Euro – eine Menge Geld für mich.
Aber das JobCenter wäre ja nicht das JobCenter, wenn es nicht das JobCenter wäre.

UPDATE

Ich habe im März angefangen zu arbeiten, konnte also dem JobCenter noch keinen Vertrag, keine Abrechnung, nichts vorlegen. Demzufolge wurde mir HartzIV für April erstmal um 280 Euro gekürzt. Unter der Annahme, daß ich 450 Euro verdiene. (Man darf bei so einem Job die ersten 100 Euro komplett behalten, für jeden Euro darüber wird einem HartzIV um 80 Cent gekürzt.) Das ist korrekt und auch so ok (wenn man nicht gerade extrem wenig verdient).

Sobald ich Vertrag und die erste Lohnabrechnung hatte, habe ich sie beim Amte eingereicht.
Ich habe einen Vertrag mit 20 Stunden pro Monat(!) zum Mindestlohn.
Im März hatte ich mit Schulung gut 24 Stunden. Also um die 210 Euro verdient.
100 Euro darf ich behalten plus 20 Euro von dem über 100 Euro.
Das JobCenter muß mir also noch 190 Euro nachzahlen – schließlich haben sie mir Hartz um 280 Euro gekürzt, aber die tatsächlich korrekte Kürzung wäre 90 Euro gewesen.

Ich bin reich!

Naja, fast.
Es gab keine Nachzahlung.
Auch nicht zusammen mit dem HartzIV für den Mai.
Also habe ich nachgefragt.

Eine Frage habe ich noch.
Wann wird das vom Jobcenter einbehaltene Geld immer überwiesen?

Kommt das noch?
Auch diesen Monat wurden wieder 280 Euro einbehalten. Es fehlt also noch
die Abrechnung für April.

Und ich habe Antwort bekommen.

bei wechselndem Einkommen wird ein Durchschnittswert berechnet, welcher als Einkommen angesetzt wird.
Damit es nicht zu einer Überzahlung des Arbeitslosengeld II kommt, wird vorschriftsgemäß ein etwas höheres fiktives Einkommen bei der vorläufigen Bewilligung angesetzt. Am Ende des Bewilligungszeitraums werden Sie aufgefordert die fehlenden Abrechnungen einzureichen, damit eine endgültige Festsetzung für den Zeitraum erstellt werden kann.
Mit dem Bescheid der endgültigen Festsetzung erhalten Sie dann entweder eine Nachzahlung oder eine Zahlungsaufforderung für die zu viel gewährten Leistungen.
Das Ende Ihres aktuellen Bewilligungszeitraum ist der 30.09.2017.
In Ihrem Fall können Sie mit einer Nachzahlung im Oktober rechnen, sobald alle Abrechnungen eingegangen sind und der Zeitraum endgültig festgesetzt wurde.

WTF?

Ich soll also über ein halbes Jahr praktisch draufzahlen, damit ich dann die Nachzahlung am Stück bekomme?
Also, falls ich bis dahin nicht verhungert bin.

Meine Reaktion an das JobCenter:

Sie gehen also bei 20 Stunden pro Monat von 450 Euro Verdienst aus? Ist das ein Witz?
Nachdem sie schon eine Abrechnung haben und dort der Stundenlohn in Höhe des Mindestlohns angegeben ist?

Und ich muß deswegen dem JobCenter 7 Monate einen Kredit über insgesamt um die 1,400 Euro gewähren? Ich als Hartzer?

Ich bitte demütigst um eine Neuberechnung des „etwas“ höheren fiktiven Einkommens.

Mal sehen, ob noch was kommt.

+++ UPDATE +++

Nachdem per Email natürlich nichts mehr kam, habe ich beim Amte angerufen.
Ich hatte eine andere Mitarbeiterin dran und mußte erst mal laut werden, damit ich die Situation überhaupt erklären konnte.

Aber: Sie hat dann versprochen, Vertrag und Lohnabrechnungen nochmals anzuschauen.
Und was soll ich sagen? Der März wurde schon korrekt nachgezahlt und der Änderungsbescheid so geändert, daß das JobCenter jetzt von einem Verdienst von 200 Euro ausgeht!
Das ist ok, ich habe jetzt mehr Geld monatlich und bekomme im Oktober wohl noch eine (kleine) Nachzahlung.

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3 Gedanken zu „HartzIV und der 450-Euro-Job

  1. Schade, dass sich die Angestellten und Beamten dort teilweise als Polizei missbrauchen lassen. Allerdings werden die Meissten diesen Job wohl kaum freiwillig machen. Dazu braucht man ein sehr, sehr „dickes Fell“.

  2. Du bist damit nicht alleine meiner Bekannten geht´s auch so und sie hat noch zwei Söhne die davon betroffen sind. Sie Arbeitet also um weniger als die Regelleistungen zu bekommen, eine Zeit lang, um dann wieder sechs Monate zu viel berechnet zu bekommen und in die andere Richtung zu sparen damit was für die Rückzahlung bleibt.
    Sind ja bald Bundestagswahlen oder NRW Wahlen – Die einzigen denen ich zutraue was zu verändern heißen Die Linke.

  3. Am besten legst Du sofort schriftlich Widerspruch gegen den vorläufigen Bescheid ein. Muss innerhalb von 4 Wochen geschehen. Auf eine Bitte muss ein Amt (und ein solches ist das Jobcenter) nicht reagieren, auf einen Widerspruch schon.

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