Hartz IV und der Mindestlohn

Ein Gastbeitrag!

Auch wenn das Zitat von Arbeitsministerin Nahles aus dem Zusammenhang gerissen wurde, könnte man das mal untersuchen.

Das Grundeinkommen führt dazu, dass keiner mehr schlecht oder niedrig entlohnte Arbeit macht.

Vordergründig steht da, dass diese Arbeit überhaupt nicht mehr gemacht wird.
Aber die zweite Botschaft ist, daß die Bürger, die Deutschen, die Arbeitnehmer nicht nur der Arbeit wegen arbeiten.

Betrachten wir das mal aus der heutigen Sicht mit Hartz IV.

Als Beispiel nehmen wir die Stadt Ulm/Donau.
AlG II ist hier wie in ganz Deutschland 409,00 Euro.
Mietkosten werden übernommen bis zu einer Höhe von 320,00 Euro für einen Single.
Die Nebenkosten bis zu 120,00 Euro – und bis zu einem gewissen Grad auch eine Nachzahlung.
Macht summasummarum 849,00 Euro.

Dazu kommen Vergünstigungen wie der Erlass des Rundfunkbeitrags in Höhe von 17,50 Euro.
Und – Ulm-spezifisch – eine kostenlose Lobbycard, mit der man Ermäßigungen auf Theater, Büchereien oder besonders den ÖPNV bekommt. So kostet einen AlG II-Empfänger eine Monatskarte statt 56,40 Euro nur die Hälfte.
Dies kann man durchaus zu den monatlich zur Verfügung stehenden Geldmitteln hinzurechnen.
Damit wären wir bei 849,00 + 17,50 + (56,40 : 2) = 894,70 Euro.

Die Rechnung mit Vollzeit im Mindestlohn lautet, wenn man 163 Stunden pro Monat ansetzt (ein üblicher Wert bei Arbeitnehmerüberlassung):
163 x 8,84 = 1440,92 Euro.
Machen wir jetzt für unseren Single (StKl. 1) das Leben billig, indem er nicht in der Kirche ist und bei der AOK Baden-Württemberg versichert ist, dann kommen wir auf einen Netto-Verdienst in Höhe von 1.074,28 Euro.
Das sind knapp 180 Euro mehr als mit AlG II.

Beim AlG II darf man bis zu 100 Euro dazu verdienen, ohne dass man Abzüge hat. Findet jetzt also der AlG II-Empfänger eine Arbeit mit 11,3 Stunden im Monat zum Mindestlohn, wären es nur noch 80 Euro Unterschied. Bei über 150 Stunden Arbeit weniger, rein rechnerisch würde man in Vollzeit also 150 Stunden für netto 53 Cent / Stunde arbeiten.
Bei einer 450-Euro-Stelle wird das AlG II um 280 Euro gekürzt, es verbleiben 170 Euro Mehrverdienst. Und damit lediglich 10 Euro weniger als bei einer Vollzeitstelle. 450 Euro bei Mindestlohn wären 50,9 Stunden – über 110 Stunden weniger als Vollzeit. Sind 10 Euro wirklich 110 Stunden wert?

Fazit: Es gibt bestimmt die unterschiedlichsten Gründe für Menschen, nicht oder nur geringfügig beschäftigt zu sein, aber es ist klar, dass der Verdienst nicht alles ist.
Wäre es nicht schön, wenn die arbeitenden Menschen wenigstens halbwegs anständig bezahlt würden?
Ich jedenfalls kann jeden verstehen, der wegen 180 Euro nicht einen stumpfen, stupiden Job in irgendeinem Lager machen will. Oder auch Laser, der jetzt einen 20-Stunden-Job (pro Monat!) hat und sich so um die 110 Euro (netto) zum AlG II dazu verdient.

Anmerkung Laser: Der Autor ist mir bekannt, möchte aber nicht genannt werden.

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Ein Gedanke zu „Hartz IV und der Mindestlohn

  1. Na ja, das ist in etwa auch gleich. Bei 30h Teilzeitjob mit Mindestlohn fasst auf den Punkt. Man sollte aber nicht außer acht lassen, dass die gesamte Einmischung durch das Jobcenter entfällt. Das gewonnene Auto kann behalten werden, keine Kontoauszüge werden kontrolliert usw. Oft geht es ja auch um rel. einfache Jobs und das Geld muss durch den Arbeitgeber auch wieder eingenommen werden. Der Konkurrenzkampf ist schon erheblich.

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