Ku-Klux-Polizei

Im Fall der NSU kommen zur Zeit immer mehr Tatsachen ans Licht.
Wahrscheinlich ist das alles nur die Spitze des Eisbergs. Und noch gar nicht zu bewerten.

Deshalb hier nur meine Meinung zu einem kleinen Teilaspekt, der eventuell gar nichts mit der NSU und dem Mord an der Polizistin Kiesewetter zu tun hat.

Zwei Polizeibeamte aus Kiesewetters Umfeld waren Mitglieder bei der Europa-Abteilung des Ku-Klux-Klan. Bei den European Knights of the Ku-Klux-Klan.
Dazu muß man wissen, daß die dritte (oder vierte je nach Zählung) Auflage des Ku-Klux-Klan, also praktisch der Ku-Klux-Klan 3.0, sich inzwischen Christian Knights of the Ku-Klux-Klan nennt und sich im Gegensatz zum KKK2.0 nicht mehr gegen alles Unamerikanische wendet, sondern praktisch ein Gegenstück zu den Islamisten ist. Plus natürlich dem Kernthema Rassismus. Christliche (Kreuz-)Ritter, „caucasian“ Abstammung, die einen Krieg führen gegen alles, was nicht weiß und nicht christlich ist. Sie haben also ihr Hass-Repertoire im Vergleich zum KKK1.0 erweitert.

Blutstropfen
KKK-Logo: Blutstropfen im Weißen Kreuz

Zurück zu den zwei Polizisten.
Die Fakten: Sie sind beim KKK eingetreten und nach nicht einmal einem halben Jahr wieder ausgetreten.
Lange vor dem Mord an Kiesewetter. Deshalb spekuliere ich hier nicht weiter, ob da ein Zusammenhang besteht. Das müssen die Ermittlungen ergeben.
Was mich stört, ist die Aussage der beiden, daß sie nicht gewußt hätten, daß der KKK eine rassistische Organisation ist.
Wie bitte?
Die sind da in einen Verein eingetreten, von dem sie nicht die geringste Ahnung hatten?
Kann passieren, mach ich auch ständig. Ich bin in SquareDance-Vereine eingetreten, weil ich Lust auf Gotcha-Spiele hatte. #not

Ich bin ein Verfechter der zweiten Chance. Hätten die zwei gesagt, ja, wir waren jung und dumm. Wir haben unseren Fehler erkannt und distanzieren uns vom Gedankengut des Ku-Klux-Klan, hätte ich ihnen diese zweite Chance zugestanden. Denn der Klan übt – ähnlich den N*zis – eine gewisse Faszination auf junge Menschen aus. Die Farben. Schwarz-Weiß-Rot. Das Geheimnisvolle. Das Verbotene. Die Uniformen. Die Kameradschaft. Das Feindbild. Feuer. Prozessionen. Fackeln.

KKK

Aber diese Taktik, alles erstmal zu bestreiten, läßt für mich keinen Zweifel zu. Diese Menschen gehören nicht in unsere Polizei.

So sehe ich das.

Der Jude

Provokante Überschrift. Polarisierendes Thema.

Aber leider immer wieder aktuell. Zuletzt durch das Gedicht von Günter Grass.

Der hat zwar das Wort „Jude“ überhaupt nicht benutzt, und trotzdem wird oft „der Jude“ gesagt, wenn die israelische Regierung oder der Staat Israel gemeint ist. Auch in der Diskussion über Grass‘ Gedicht.

Das ist erschreckend häufig Demagogie. Und zwar aus dem rechten Lager. Damit versuchen sie, unbewußte antisemitische Gefühle zu wecken. Der Antisemitismus hat schließlich eine jahrtausendelange Tradition vor allem in Europa.

Aber auch umgekehrt gibt es eine solche Demagogie. Sobald man Kritik an der israelischen Politik z.B. beim Siedlungsbau äußert, wird man als judenfeindlich, als Antisemit, bezeichnet. Hier wird an die political correctness appelliert und das Wort „Judenfeind“ als Totschlagargument mißbraucht.

Der dritte Fall sind die Menschen, die „Jude“ verwenden, wenn sie Israel meinen, ohne zu reflektieren. Die sind einfach so soziologisiert. Hier kann – und muß – man aber Aufklärungsarbeit leisten.

Ich kritisiere Israel, bzw, dessen Politik/Regierung, wenn ich der Meinung bin, daß sein Verhalten kritisierungswürdig ist. Für mich war z.B. das Kapern der Hilfsflotille für den Gaza-Streifen in internationalen Gewässern ein eindeutiger Akt der Piraterie. Natürlich war diese Flotille eine Provokation, aber ein souveräner Staat hätte da anders handeln müssen. Zum Beispiel mit Abwarten des Eindringens in israelisches Hoheitsgebiet – wobei selbst das noch umstritten wäre, ob die Gewässer vor dem Gaza-Streifen israelisch sind. So war es nur eine Dummheit seitens Israels. Und eine Provokation der Überlegenheit.
Aber dafür verurteile ich nicht „den Juden“.

Solche Pauschalisierungen sind immer abzulehnen und niemals richtig. Es sagen ja auch nur islamische Fundamentalisten, daß „die Christen“ in Afghanistan stehen. Unabhängig davon, ob man den „kriegsähnlichen Zustand“ in Afghanistan gut findet, mir würde diese Pauschalisierung nicht gefallen. Und dabei bin ich noch nicht einmal Christ.

Und es ist nicht nur auf die Religion beschränkt. Man darf einfach nicht „die Jugendlichen“, „die Männer“, „die Schwulen“… sagen, wenn man nur eine Teilmenge meint.

Laßt uns darüber nachdenken.

So sehe ich das.