Über die deutsche Sprache, Sterbehilfe und ein bißchen Beschneidung

(JoS) WARNUNG: Der nachfolgende Beitrag könnte Spuren von Zynismus, Sarkasmus und Ironie enthalten. FSK 18

Wie schon bei Religionsfreiheit muß ich wohl auch beim Thema Sterbehilfe – oder besser: Beihilfe zum Suizid – Nachhilfe in Deutsch geben.

Denn meist wird ja von den Gegnern damit argumentiert, daß es ein Recht auf Leben gibt.
Klingt gut, bin ich auch voll dafür.
Aber wie kommt man auf den Gedanken, aus dem Recht auf Leben, eine Pflicht zu leben zu machen?
Ist unsere Sprache so kompliziert?
Ich finde in keinem Gesetzbuch eine Pflicht zu leben.

Aber nochmal zurück zur Religionsfreiheit.
Ich such mir jetzt eine aztekische oder Maya-Religion.
Mit Menschenopfer als zentralem Bestandteil.

Und schon sind wir wieder bei der Sterbehilfe. Winwin-Situation.
Freiwillige? Anyone?

So sehe ich das.

Beschneidung aus religiösen Gründen

Das Landgericht Köln hat am 25. Juni festgestellt, daß die Beschneidung von Jungen aus religiösen Gründen als Körperverletzung zu werten ist.

Betroffen sind davon Moslems und Juden.
In wünschenswerter Einheit kämpfen Vertreter beider Religionen jetzt gegen diesen Urteilsspruch. Von dem „größten Angriff auf das Judentum seit dem Holocaust“ ist die Rede. Von Beschneidung der Religionsfreiheit.

Aber was bedeutet Religionsfreiheit? Oder noch weiter, das Recht auf die freie Ausübung der Religion?
Es bedeutet, daß man das Recht hat, seine Religion frei auszuüben. Für sich. Persönlich.
Es bedeutet nicht, daß man aus religiösen Gründen einen Anderen schädigen darf.
Es bedeutet nicht, daß man Körperverletzung an (auch den eigenen) Kindern begehen darf.
Es bedeutet, daß ein Mensch sich frei dafür entscheiden darf, sich beschneiden zu lassen.
Religionsmündig ist man in Deutschland mit 14. Das wäre also der früheste Zeitpunkt, um sich für eine Beschneidung zu entscheiden.
Andererseits darf man sich erst ab 16 Jahren durch Tattoos, Piercings u.ä. „verstümmeln“.
Hier wiegt aber meiner Meinung nach das Recht auf die Religion schwerer als der Wunsch nach optischen Verbesserungen. Also Beschneidung ab 14. Wenn man sich für eine entsprechende Religion frei entscheidet.
Ich bin übrigens auch ein Gegner der Kindstaufe der Christen. Aber da findet wenigstens keine Körperverletzung statt.

Noch was Allgemeines:
Die Beschneidung ist eine uralte Tradition. Und wie viele Traditionen hat sie einen guten Grund. Aufgrund mangelnder Hygiene, bzw. der Unkenntnis über die Zusammenhänge, half sie vor 2000 Jahren tatsächlich, die Lebensqualität zu verbessern.
Auch das Verbot von Schweinefleisch hatte einen ähnlichen Hintergrund. Schwein verdarb vor allem im eher warmen Nahen Osten einfach zu schnell. Und um Schaden abzuwenden, hat Mohamed es verboten. Kluger Mann.
Im Christentum fällt mir hier spontan das Glockengebimmel ein. In Zeiten ohne Armbanduhren und Smartphones durchaus nützlich, um die Zeit zu wissen.
In unserer heutigen Zeit mit täglich Duschen und Kühlschränken sind das für mich einfach Relikte aus längst vergangenen Zeiten und nicht mehr zeitgemäß.
Aber das ist die Entscheidung der Betroffenen – ich will da nichts verbieten. Der Betroffenen. Nicht ihrer Eltern.
Es gibt keine christliche, muslimische, jüdische Kinder. Es gibt nur Kinder christlicher, muslimischer, jüdischer Eltern. (Quelle: unbekannt)

Und noch was zum Thema Beschneidung:
Ich rede hier nicht von medizinisch sinnvollen Beschneidungen, z.B. bei Vorhaut-Verengung. (Ich konnte dem mit Salben entgehen, aber es gibt Fälle, da reichen Salben nicht.) Ich rede hier von einer Amputation gesunder Körperteile.

So sehe ich das.