N*zis in Ulm

Vor ein paar Wochen hatte ich schon einmal eine Diskussion mit N*zis. In Ulm. Direkt vor dem Bahnhof. Da wo normalerweise immer Bundespolizei oder Bahn Security steht. Ich hatte da nicht viel zu sagen. Aber meine Handgelenke haben noch Wochen später geschmerzt.
Naja, den Einen kannte ich vom Sehen. Den hatte ich mal öffentlich lächerlich gemacht. Hab ich halt meine Abreibung bekommen. Das war’s. Dachte ich.

Vor ein paar Tagen hatte dann Herr Urbach eine solche Begegnung. Aber das ist ja Berlin. Nicht Ulm.

Und gestern komme ich von meinem Klassentreffen. Schnell noch ein Bier und eine Zeitung in der Kneipe und dann heim, um Basketball anzuschauen.
Neben mir saßen drei Männer an der Theke. Kannte ich nicht. Sie mich schon. „Hallo Pirat, Prost!“ Ich also angestoßen. „Sag mir mal, für was Ihr steht und wieso ich Euch wählen sollte.“ Man kennt das ja. Schnell so die Kurzfassung. Ich will meine Zeitung lesen. Und gleich heim. Basketball. Wissenschon.

Am Anfang kamen dann durchaus kritische, aber normale Fragen. Zweites Bier. Aber recht schnell wurden die Argumente konservativer. Und ganz „konservativ“. Also so richtig nationalistisch. Kein Bock mehr. Wann fährt der Bus?
Zu spät. „Vermischung der Kulturen ist scheiße, weil es scheiße ist!“ und „Nur Deutschland hat eine Kultur!“ Widerspruch?^^
„Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein, weil mein Opa…“ Ahja, dein Opa. Und Du? Ich freu mich ja, in diesem Land geboren zu sein. Aber Stolz? Ich kann doch nur auf das stolz sein, was ich selber erreicht habe.
In der Zwischenzeit ist mir einer immer wieder auf die Pelle gerückt. Lange Haare und Fünftage-Bart. Hab ich mir verbeten und er wurde auch von den anderen zwei zurückgepfiffen.
Ich wußte echt nicht, wie ich mit wem dran war. Aber dann brachte der, der noch vernünftig sprach, irgendwas mit Juden. Hatte ich nicht richtig verstanden. Frage nach. „Richtig. Juden sind keine Menschen!“
Danke, also auch der dritte ist ein Vollspasten. Gespräch beendet. Hab ich ihm auch gesagt. Und von der anderen Seite will mir der Langhaarige mein(!) Bierglas in’s Gesicht schlagen. Hat zum Glück nicht getroffen, aber ich saß da wie ein begossener Pudel. Wortwörtlich. Also begossen. Nicht Pudel.
Er hat mich dann noch angestarrt: „Dein Gesicht merk ich mir und dann fick ich Dich!“ Das wird wohl diese deutsche Kultur sein.

Dann ging’s schnell. Die zwei Bedienungen haben die Idioten rausgeschmissen.

Merkt Euch, Ihr Drecks-N*zis. Ihr seid nicht willkommen in Ulm. Nicht in Deutschland. Nicht auf diesem Planeten.
Ich bleibe.

Achja, das Basketballspiel hab ich mir in der Kneipe angeschaut, während ich trocknete.
Ulm hat verloren.

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Beschneidung aus religiösen Gründen

Das Landgericht Köln hat am 25. Juni festgestellt, daß die Beschneidung von Jungen aus religiösen Gründen als Körperverletzung zu werten ist.

Betroffen sind davon Moslems und Juden.
In wünschenswerter Einheit kämpfen Vertreter beider Religionen jetzt gegen diesen Urteilsspruch. Von dem „größten Angriff auf das Judentum seit dem Holocaust“ ist die Rede. Von Beschneidung der Religionsfreiheit.

Aber was bedeutet Religionsfreiheit? Oder noch weiter, das Recht auf die freie Ausübung der Religion?
Es bedeutet, daß man das Recht hat, seine Religion frei auszuüben. Für sich. Persönlich.
Es bedeutet nicht, daß man aus religiösen Gründen einen Anderen schädigen darf.
Es bedeutet nicht, daß man Körperverletzung an (auch den eigenen) Kindern begehen darf.
Es bedeutet, daß ein Mensch sich frei dafür entscheiden darf, sich beschneiden zu lassen.
Religionsmündig ist man in Deutschland mit 14. Das wäre also der früheste Zeitpunkt, um sich für eine Beschneidung zu entscheiden.
Andererseits darf man sich erst ab 16 Jahren durch Tattoos, Piercings u.ä. „verstümmeln“.
Hier wiegt aber meiner Meinung nach das Recht auf die Religion schwerer als der Wunsch nach optischen Verbesserungen. Also Beschneidung ab 14. Wenn man sich für eine entsprechende Religion frei entscheidet.
Ich bin übrigens auch ein Gegner der Kindstaufe der Christen. Aber da findet wenigstens keine Körperverletzung statt.

Noch was Allgemeines:
Die Beschneidung ist eine uralte Tradition. Und wie viele Traditionen hat sie einen guten Grund. Aufgrund mangelnder Hygiene, bzw. der Unkenntnis über die Zusammenhänge, half sie vor 2000 Jahren tatsächlich, die Lebensqualität zu verbessern.
Auch das Verbot von Schweinefleisch hatte einen ähnlichen Hintergrund. Schwein verdarb vor allem im eher warmen Nahen Osten einfach zu schnell. Und um Schaden abzuwenden, hat Mohamed es verboten. Kluger Mann.
Im Christentum fällt mir hier spontan das Glockengebimmel ein. In Zeiten ohne Armbanduhren und Smartphones durchaus nützlich, um die Zeit zu wissen.
In unserer heutigen Zeit mit täglich Duschen und Kühlschränken sind das für mich einfach Relikte aus längst vergangenen Zeiten und nicht mehr zeitgemäß.
Aber das ist die Entscheidung der Betroffenen – ich will da nichts verbieten. Der Betroffenen. Nicht ihrer Eltern.
Es gibt keine christliche, muslimische, jüdische Kinder. Es gibt nur Kinder christlicher, muslimischer, jüdischer Eltern. (Quelle: unbekannt)

Und noch was zum Thema Beschneidung:
Ich rede hier nicht von medizinisch sinnvollen Beschneidungen, z.B. bei Vorhaut-Verengung. (Ich konnte dem mit Salben entgehen, aber es gibt Fälle, da reichen Salben nicht.) Ich rede hier von einer Amputation gesunder Körperteile.

So sehe ich das.

Der Jude

Provokante Überschrift. Polarisierendes Thema.

Aber leider immer wieder aktuell. Zuletzt durch das Gedicht von Günter Grass.

Der hat zwar das Wort „Jude“ überhaupt nicht benutzt, und trotzdem wird oft „der Jude“ gesagt, wenn die israelische Regierung oder der Staat Israel gemeint ist. Auch in der Diskussion über Grass‘ Gedicht.

Das ist erschreckend häufig Demagogie. Und zwar aus dem rechten Lager. Damit versuchen sie, unbewußte antisemitische Gefühle zu wecken. Der Antisemitismus hat schließlich eine jahrtausendelange Tradition vor allem in Europa.

Aber auch umgekehrt gibt es eine solche Demagogie. Sobald man Kritik an der israelischen Politik z.B. beim Siedlungsbau äußert, wird man als judenfeindlich, als Antisemit, bezeichnet. Hier wird an die political correctness appelliert und das Wort „Judenfeind“ als Totschlagargument mißbraucht.

Der dritte Fall sind die Menschen, die „Jude“ verwenden, wenn sie Israel meinen, ohne zu reflektieren. Die sind einfach so soziologisiert. Hier kann – und muß – man aber Aufklärungsarbeit leisten.

Ich kritisiere Israel, bzw, dessen Politik/Regierung, wenn ich der Meinung bin, daß sein Verhalten kritisierungswürdig ist. Für mich war z.B. das Kapern der Hilfsflotille für den Gaza-Streifen in internationalen Gewässern ein eindeutiger Akt der Piraterie. Natürlich war diese Flotille eine Provokation, aber ein souveräner Staat hätte da anders handeln müssen. Zum Beispiel mit Abwarten des Eindringens in israelisches Hoheitsgebiet – wobei selbst das noch umstritten wäre, ob die Gewässer vor dem Gaza-Streifen israelisch sind. So war es nur eine Dummheit seitens Israels. Und eine Provokation der Überlegenheit.
Aber dafür verurteile ich nicht „den Juden“.

Solche Pauschalisierungen sind immer abzulehnen und niemals richtig. Es sagen ja auch nur islamische Fundamentalisten, daß „die Christen“ in Afghanistan stehen. Unabhängig davon, ob man den „kriegsähnlichen Zustand“ in Afghanistan gut findet, mir würde diese Pauschalisierung nicht gefallen. Und dabei bin ich noch nicht einmal Christ.

Und es ist nicht nur auf die Religion beschränkt. Man darf einfach nicht „die Jugendlichen“, „die Männer“, „die Schwulen“… sagen, wenn man nur eine Teilmenge meint.

Laßt uns darüber nachdenken.

So sehe ich das.