Der öffentlich-rechtliche Rundfunk und die Gebühren

Nachdem ich vor Kurzem einen Beitrag über den ÖR und Fußball geschrieben habe, sollte ich jetzt auch noch was schreiben, wie ich mir den ÖR Rundfunk vorstelle.

Zum einen ist der Auftrag des ÖR die Grundversorgung.
Viele vertreten hier die Auffassung, daß damit nur Nachrichten gemeint sind. Ich sehe das anders. In einer Solidargemeinschaft sollte es eine Grundversorgung an allen TV-Formaten geben. Das bedeutet also für ARD und ZDF das, was die privaten Sender nicht senden.
Da mag Mancher sagen, aber ich will doch gar keinen Musikanten-Stadl sehen. Richtig, ich auch nicht. Aber das macht eine Solidargemeinschaft aus. Dann zahlen eben wir alle dafür, daß sich der Rentner seine Sendung leisten kann und sich nicht mit seiner mickrigen Rente einen (dann entstehenden) PayTV-Sender leisten muß. Und vielleicht bin ich in Zukunft auch froh, wenn es mal einen HeavyMetal-Stadl gibt. Oder für die jetzt Jüngeren einen HipHop-Stadl.
Auf keinen Fall darf der ÖR in einen Bieterkampf mit den privaten Sendern einsteigen. Wenn die Privaten bieten, werden sie auch senden und damit ist die Versorgung gesichert. Ich bin mir sicher, RTL, SAT1 und Co. werden auch die Länderspiele der deutschen Fußball-Nationalmannschaft übertragen. PayTV kann man vertraglich (oder notfalls gesetzlich) ausschließen.

Und damit sind wir bei der Finanzierung.
Einen großen Posten zur Einsparung habe ich ja schon genannt. Kein Bieterkampf mit den Privaten. Auch brauchen wir keine eigenen Soaps von ARD und ZDF. Das haben wir zur Genüge bei den Privaten – eigene oder US-Importe. Das läßt sich natürlich auf andere Formate übertragen.
Aber das größte Unding ist, daß die ÖR ihre finanziellen Anforderungen einfach anmelden und die dann von den zum Teil gleichen Personen gebilligt werden. Für die Rundfunkgebühren zuständig ist die Ministerpräsidentenkonferenz. Schauen wir uns beim ZDF den Verwaltungsrat an: Präsident ist Kurt Beck. Weitere Vertreter der Länder sind die Ministerpräsidenten Volker Bouffier, Stanislaw Tillich, Matthias Platzeck und Horst Seehofer. (Quelle: Wikipedia) Das heißt, daß der ZDF-Verwaltungsrat Horst Seehofer höhere Gebühren für seinen Sender beantragt. Dies wird vom Fernsehrat des ZDF gebilligt und dann stimmt Ministerpräsident Seehofer mit über die neue Gebühr ab. Das ist ja wie bei Kanzler Schröder und dem Gazprom-Schröder!
Kein Wunder, daß wir inzwischen bei über 7 Milliarden Euro sogenannter GEZ-Gebühren angekommen sind. 7,000,000,000 Euro! Pro Jahr! Für das Geld könnte man in Stuttgart fast einen Bahnhof unter die Erde bringen.
Bezahlt werden damit 9 Landesrundfunkanstalten der ARD (die Deutsche Welle wird aus Steuergeldern bezahlt) und das ZDF. Mit mindestens 23 Fernseh- und 80 Radiosendern. Plus Regionalprogrammen.

Was ist jetzt meine Vorstellung?
Das mag jetzt bei mir als Pirat überraschen – aber ein staatlich finanzierter ÖR. Und zwar als Aufschlag auf die Lohnsteuer oder ähnlich.
Das ist die Plattformneutralität. Das Argument der politischen Neutralität zieht auch nicht, wenn die ÖR einen Anspruch auf das Geld haben – damit sind sie frei von politischer Einflußnahme.
Das wäre auch sozial gerecht. Wer mehr verdient, zahlt für die anderen mit.
Und dann wird den ÖR schrittweise der Geldhahn zugedreht. Mein Idee wäre eine Reduzierung auf 1 Milliarde Euro bis 2020. Damit wären die Sender gezwungen, wirtschaftlich zu handeln, ihr Überangebot zu streichen und Synergie-Effekte zu nutzen.
Eine Grundversorgung bekommen wir auch mit 4 oder 5 TV- und 20 Radiosendeanstalten hin.

So sehe ich das.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk und Fußball

Gestern wurde der neue Vertrag zwischen dem Deutschen Fußball-Bund und den Medien unterzeichnet. 2.5 Milliarden zahlen verschiedene Sender insgesamt für 4 Jahre an den DFB für Übertragungen der Fußballspiele. Solange es hierbei um private Sender geht, ist das einfach freie Marktwirtschaft. Der Sender denkt, daß es sich für ihn auszahlt.

Etwas anderes ist es beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der zu einem großen Teil von Gebühren bezahlt wird. Ab nächstem Jahr sogar mit einer Zwangsabgabe, der man nicht einmal entgehen kann, indem man auf TV, Radio, Computer, Smartphone… verzichtet.

Und jetzt haben sich ARD und ZDF die Rechte gesichert, in den nächsten 4 Jahren zeitversetzt Ausschnitte der Fußball-Bundesliga zu senden. Für 110 Millionen Euro. Pro Jahr. Plus Champions-League. Plus Spiele der Nationalmannschaft.

110 Millionen. Das sind über 6 Millionen Monatsgebühren (volle Höhe). Oder 509,825 Gebührenzahler zahlen jetzt ein Jahr lang nur für Fußball. Eine halbe Million.

Für etwas, das bestimmt auch ein privates Rundfunkunternehmen übertragen würde.

Ich halte das für Gebührenverschwendung.

So sehe ich das.