Tag gegen Homophobie

Freitag, 17. Mai 2013, Internationaler Tag gegen Homophobie.

In Ulm hat der CSD Ulm.Neu-Ulm e.V. zu einem Flashmob aufgerufen.
War auch eine schöne idee – ein Musikflashmob mit 3 Standorten nacheinander. Bahnhofsvorplatz, Fußgängerzone und Münsterplatz, auf dem schon eine große Regenbogenfahne aufgemalt war.

tghomophobie

Aber…
Ja, ein ganz großes Aber.
Ein Flashmob soll ja ein überraschendes Ereignis sein. Aber ganz ohne Werbung geht es halt doch nicht.
Ich bin Mitglied im CSD e.V. – und selbst ich habe die Sache erst 3 Tage vorher per Zufall gesehen. Ein Tweet, den ich halt grad gelesen habe.
Und ich hatte keine Ahnung, was für ein Ereignis das sein soll. Noch nicht mal, ob Demo oder Flashmob oder whatever.
Darauf angesprochen wunderte sich Ronny vom CSD: Wir haben das doch auf facebook angekündigt.
facebook? Seriously? facebook?
Ich denke, das ist die Erklärung, daß vielleicht 40 Leute mitgemacht haben. Die natürlich komplett untergingen. Sichtbar waren grad mal die 8 Musiker.

Schade!

Nächstesmal bitte besser organisieren – und zumindest die Vereinsmitglieder informieren.
Auch von einigen Piraten habe ich gehört, daß sie gerne gekommen wären, wenn sie früher – oder überhaupt – von der Aktion erfahren hätten.

Und damit ich die Rede, die ich in Unkenntnis des Charakters des Flashmobs vorsorglich geschrieben habe, nicht ganz umsonst gemacht habe:

Heute vor 23 Jahren wurde Homosexualität von der Liste der Krankheiten gestrichen. In Deutschland.

In einem anderen europäischen Land wurden jetzt erst Gesetze gegen Homosexuelle verschärft.

Von einem Präsidenten, der sich vom Outfit her gern als der fünfte Village People zeigt.

Von einem Präsidenten, der jedes Klischee eines Schwulen aus dem Blue Oyster Club erfüllt.

Präsident Putin, ich frage Sie, kompensieren sie ihre natürlichen Gefühle mit Schwulenhaß?

Präsident Putin, come to the pink side of life.
Wehren Sie sich nicht.
Stehen Sie Ihren Mann!

Ich sage Ihnen, Herr Präsident: Homophobie ist voll schwul!
Aber: Homophobie ist heilbar.

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Global Marijuana March

Meine Rede zum Global Marijuana March in Ulm:

Da schreibt man, daß man zum Global Marijuana March kommen will – und schon soll man eine Rede halten.

Hab ich halt mal ja gesagt. Hanf. Drogen. Interessiert mich.

Also jetzt nicht so persönlich, aber politisch.

Dann überlegt man, daß Hanf ja nicht nur Droge ist, sondern eine hervorragende Nutzpflanze.

Nahrung, Baustoff, Medizin, die bessere Alternative zu toten Bäumen, Kleidung usw usf.

Ganz nebenbei ist Hanf für die Landwirtschaft mehr als nützlich. Hanf kann ausgelaugte Böden auflockern,
Hanf gedeiht auf extrem schlechten Böden und kann diese wieder für andere Pflanzen tauglich machen.

Für all das wurde Hanf seit Jahrtausenden eingesetzt.

Ich hab mich doch für Hanf als Droge entschieden. Also als Thema.

Für die dies nicht wissen – Hanf, Cannabis, Marihuana, Haschisch fallen unter das Betäubungsmittelgesetz.

Also im Gegensatz zu Alkohol oder Nikotin.

Und dieses Betäubungsmittelgesetz ist lang, sehr lang. Hab mich mal eingelesen.

Verbote, Verbote, Verbote.

Einfuhr, Durchfuhr, Ausfuhr, Erwerb, Anbau, Handel, Abgabe und was weiß ich noch alles – alles verboten.

Liegt wohl auch daran, daß der Gesetzgeber keine Ahnung hat – bezeichnet er doch alle Gattungen von
Cannabis als Marihuana.

Ich frage mich, mit welchem Recht hier in das Selbstbestimmungsrecht der Menschen eingegriffen wird.

Ich darf mich als erwachsener Mensch jederzeit ins Koma saufen, darf betrunken durch die Straßen wanken.
Nur verdrängen will man die Alkohol-Exzesse. Hier in Ulm zum Beispiel auf den Donau-Wiesen. Und wenn es nach
unserem Oberbürgermeister geht auch da, wo es Touristen sehen könnten.

Genauso habe ich das Recht, bis zum Lungenkrebs Nikotin zu rauchen. Kein Problem.
Ich kann mir überall und jederzeit Kippen holen – auch wenn gerade heute die Grünen ein Verbot von
Zigarettenautomaten gefordert haben.

Aber wenn ich als erwachsener Mensch mal einen Joint oder ein Hasch-Zigarettchen rauchen will, dann
bin ich ein Verbrecher? Ja klar, ich weiß, daß der Konsum inzwischen straffrei ist. Er ist trotzdem illegal.
Und selbst der Konsum setzt keinen verfolgungswürdigen Erwerb mehr voraus.

Hier gab es eine kleine Diskussion – anscheinend habe ich den Punkt nicht klar genug dargestellt.
Der Erwerb ist natürlich verboten. Aber wenn man mit Hanf erwischt wird, muß man ihn ja irgendwo herhaben. Illegal. Das wird aber nicht verfolgt. Paradoxes Gesetz.
Ich hoffe, das ist jetzt etwas klarer.

Schön und gut. Aber der Dealer macht sich strafbar. Und wird verfolgt.

Genau aus diesem Grund versucht er einen möglichst hohen Gewinn bei diesem Risiko zu erzielen.
Drogen – auch Marihuana und Hasch – werden gestreckt. Zum Teil mit gesundheitsschädlichen Substanzen.

Und teuer wird der Schiet dann.

Wie schön wäre es, einfach in eine Apotheke zu gehen und einfach ein paar Gramm zu kaufen?
Ganz legal. Kontrollierte Qualität. Versteuert.

Seit Jahrzehnten wird das gefordert. Von rebellischen Jugendlichen – so wie ich vor 30 Jahren zu meiner Schulzeit.
Von Medizinern, die vor den Gefahren verunreinigter Drogen warnen.
Von Wirtschaftswissenschaftlern, die die Beschaffungskriminalität betrachten.

Und es ist ja nicht so, daß es keine Beispiele gäbe, was passieren wird, wenn man Drogen legalisiert.
Portugal, Spanien, Holland, Tschechien, Washington, Colorado. Überall ist das Betäubungsmittelgesetz
wesentlich entspannter als bei uns. Die Zahl der Drogenkonsumenten geht ebenso wie die Kriminalität zurück.
Und selbst bei sogenannten harten Drogen gehen die Drogentoten zurück.

Und hier in Deutschland?
Vor über 20 Jahren hat das Bundesverfassungsgericht der Innenministerkonferenz den verpflichtenden Auftrag gegeben,
bundesweit einheitliche Mengen für den Eigenverbrauch festzulegen. Selbst das haben sie nicht geschafft!

Hier im coolsten Land der Welt will man sich überhaupt nicht mit dem Thema beschäftigen.
Obwohl 2004 über 30 Prozent der Jugendlichen angegeben haben, schon einmal Cannabis konsumiert zu haben.
30% unserer Jugend ist also kriminell.
Weil sich unsere Regierung nicht mit dem Thema beschäftigen will.

Ich bleibe auch nach über einem Vierteljahrhundert dabei: Legalize it.
Und Cannabis darf nur der Anfang sein.

Anmerkung: Ich habe die Rede nicht wörtlich so gehalten.