Ulmer Spatz

Jedes Dorf, jede Region, jedes Land hat sein Wappentier.
Meist etwas Großes, Furchteinflößendes. Löwen sind sehr beliebt. Und Adler. Adler von den USA über die BRD und Preußen bis hin nach Russland.
Drachen von China bis Schottland. Alles starke Tiere.

Und Ulm hat den Spatz.

Wieso einen Spatz?

Ganz einfach. Es kommt nicht nur auf Muskeln und Zähne an, sondern vor allem auf den Grips.

Und mir Ulmer sen halt so clever wie a Spätzle!

Aber woher kommt das?
Dazu gibt es eine echt wahre Geschichte aus dem 14. Jahrhundert.

Damals haben die Ulmer diese schicke Kirche gebaut. Das Ulmer Münster.
Und da diese Kirche etwas größer werden sollte als andere Kirchen, brauchte man natürlich auch größeres Bauholz.
Einmal haben die Bauherren dann einen besonders schönen und großen Baum gefunden und gefällt.
Allerdings hat der dann nicht durch das Stadttor gepaßt.
Was tun? Die Stadtmauer einreißen? Ungern.
Und wenn man den Stamm aufgerichtet hat, war das Tor eindeutig zu niedrig.
Ratlosigkeit machte sich breit.
Sollte man den Stamm zersägen?
Aber man brauchte doch lange Bäume.

So saßen die Ulmer mit ihrem schönen, langen Stamm auf der falschen Seite der Stadtmauer und überlegten.
Was tun?
Und während sie so da saßen, beobachtete einer der Arbeiter einen Spatz.
Dieser Spatz flog mit einem Strohhalm auf sein Nest zu.
Und am Eingang des Nests nahm er den Strohhalm – längs!
Und konnte so den Halm ins Nest bringen.

Aufgeregt teilte der Arbeiter dies seinen Kollegen mit.
Und siehe da – wenn sie den Baumstamm längs nahmen, paßte er auch durch das Stadttor!

Seitdem sind die Ulmer schlau wie Spatzen. Und stolz darauf!
Der Spatz ist das Wappentier der Stadt Ulm geworden – und hat sogar einen Ehrenplatz auf dem Dach des Mittelschiffs des Münsters.

Ich liebe mein Ulm.

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Sedelhöfe

Als Sedelhöfe bezeichnet man in Ulm heute das Gebiet, an dem früher der Sedelhof stand.
Ganz grob vom Bahnhof aus nördlich der Fußgängerzone bis fast zum Theater. Also eine erstklassige Lage mitten in der Stadt.
Und bis vor kurzem ziemlich heruntergekommen. Jetzt ganz heruntergekommen. Also nachdem ein Rudel Bagger ein paar Wochen da ihr Revier hatte.

Die Stadt Ulm hat die Grundstücke gekauft und ebnet sie ein, um sie dann an einen Investor zu verkaufen.
Das führte dann zu einer mühsam verborgenen Panik als dieser Investor Insolvenz anmeldete.
Glücklicherweise hat sich die Muttergesellschaft entschieden, Ulm als einziges Projekt in Deutschland fortzuführen. Obwohl die Grundstücke noch nicht übereignet waren und Ulm auf der Prioritätenliste ganz unten stand.

Gestern war im Gemeinderat das Bebauungsplanverfahren dran.

Das Tor zur Stadt sollen die Sedelhöfe werden.
Das mag ja am Theater so sein, wenn man die Neubauten dort als neues Wengentor mit einbezieht.
Aber am Bahnhof wird es das nicht werden können.
Ein Grund dafür ist natürlich, daß das Gebäude Bahnhofstraße 7, das in der direkten Sichtlinie Hauptbahnhof – Fußgängerzone steht, nicht von der Stadt erworben werden konnte.
Zudem wird wertvolles Bauland bestimmt nicht leer bleiben, um ein schönes Eingangstor in die Innenstadt zu haben.
Und drittens wurde gestern gleich von der CDU klargestellt, daß die Friedrich-Ebert-Straße, die zwischen Bahnhof und Innenstadt quert, nicht auf 2 Fahrbahnen verringert wird. Ich würde mir ja da shared-space wünschen, wie wir es ja in Ulm schon in der Neuen Mitte haben. Alle Verkehrsteilnehmer sind gleichberechtigt, Höchstgeschwindigkeit 20 Stundenkilometer.
Also muß der Übergang zwischen Bahnhof und Hirschstraße unterirdisch erfolgen, auf der sogenannten Ebene minus Eins (E-1). Und zwar von den Gleisen an. Und später bis zur Schillerstraße auf der anderen Seite der Gleise. Und das darf keine klaustrophobie-erzeugende Untertunnelung sein, das muß eine „überdachte Fußgängerzone“ werden, wie man sie aus anderen Großstädten kennt.
Nun geht das aber nur in Verbindung mit dem neuen City-Bahnhof, der gerade erst auf unbestimmte Zeit verschoben worden ist. Da stellt sich natürlich die Frage, ob die jetzt zu bauende Unterführung so geplant ist, daß sie später gut angebunden / ausgebaut werden kann.

Ein anderer Punkt, der mir auffiel, war die Frage nach den Besitzrechten an Straßen und Gehwegen in den Sedelhöfen.
Soviel ich verstanden habe, geht das ganze Viertel an den Investor, die Stadt hat aber auf Ebene Null ein öffentliches Gehrecht vereinbart.
Das ist aber schön, daß ich in Gassen Ulms noch laufen darf.
Aber wie sieht das rechtlich aus?
Heißt das, daß das trotzdem noch Privatwege sind?
Das ist in mancherlei Hinsicht wichtig. Angefangen von erlaubter Überwachung bis hin zur Haftung bei Wegeunfällen. Ein Schild: Privatweg, Benutzung auf eigene Gefahr?

Der dritte Punkt, der meiner Meinung nach zuwenig behandelt wurde, war die Anlieferung einiger Geschäfte in der Fußgängerzone. Die können anscheinend bei den neuen Sedelhöfen nicht mehr von der Rückseite aus beliefert werden.
Einig war sich der ganze Gemeinderat, daß diese Geschäfte selbstverständlich nicht an der Hauptkasse vorbei angedient werden können.
Einzig, wie denn dann sonst? Darüber wurde nicht gesprochen.

Aber natürlich hat der Gemeinderat das Bebauungsplanverfahren in die Wege geleitet.
Ich stelle mir da schon die Frage, welche Bedingungen hat der Investor gestellt, damit in Ulm weitergemacht wird. Auch ihm war sicherlich klar, daß die Stadt erpreßbar war, weil ansonsten eine neue Ausschreibung nötig gewesen wäre und Ulm für mindestens ein zusätzliches Jahr eine Brachfläche mitten in der Stadt gehabt hätte.
Der Vertrag mit dem Investor und dessen Bedingungen müssen öffentlich gemacht werden.

So sehe ich das.

Update

Diesen Beitrag hab ich auch stark verkürzt als Laserbrief an die SüdwestPresse geschickt.
Und auf meinen Laserbrief kam am 16. Juli noch ein Leserbrief, den ich hier veröffentliche.
Mit freundlicher Genehmigung von @SWPde.

Leserbrief

Bezirksverband Tübingen

Am 26. Mai war Bezirksparteitag im Bezirk Tübingen.

Einer der wichtigsten Punkte war die mögliche Auflösung der Gliederung.
Dafür gab es viele Fürsprecher und auch gute Argumente.

Ich war dagegen.
Erstens gibt es mMn noch nicht ausreichend Gliederungen auf Kreisebene. Wir hatten die Kreisverbände Reutlingen und Tübingen, die eine reine Selbstverwaltung waren – und erst nach dem Zusammenschluß Sinn machten. Der KV Ravensburg-Bodenseekreis wurde gleich als Doppel-Kreisverband gegründet. Ich persönlich mag solche Gebilde nicht. Wobei ich allerdings beim KV Ulm/Alb-Donau-Kreis eine Ausnahme mache, geht es hier doch um einen Stadtkreis mit seinem Umland.
Aber selbst damit haben wir nur in 2/3 der Landkreise (6 von 9) eine Untergliederung. Auch wenn Biberach sehr gut mit #kvadkul zusammenarbeitet, bleibt ein (flächenmäßig) sehr großes Gebiet übrig. Und (finanz-)verwaltungstechnisch ist auch Biberach ohne BzV auf den Landesvorstand angewiesen.
Zweitens wäre es tatsächlich ein falsches Signal gewesen. Piratenpartei löst sich auf. Jaja, ich weiß. Außenwirkung. Sch**ß ich auch drauf – bei Themen. Aber im Vorfeld der Bundestagswahl eine Gliederung aufzulösen – nachdem wir alle Gründungen pressewirksam gefeiert haben – wäre imho falsch. Man sieht gerade gut bei den Freien Wählern und der sogenannten AfD wie das rüberkommt.
Und drittens hat der BzVor nach dem etwas unglücklich formulierten Urteil des Landesschiedsgerichts nicht besonders gut funktioniert. Das war mir klar. Wie schlimm es allerdings war, wieviel Arbeit liegengeblieben ist – das wird mir gerade erst bewußt. Lieber Nati, Du sagtest zwar, daß es für den LVor kaum zusätzliche Arbeit bedeuten würde, wenn der BzV nicht mehr existiert. Aber wir werden noch eine gute Weile mit den „Altlasten“ kämpfen müssen. Die sind teilweise noch von dem vor-vorigen Vorstand (ich nehme mich da gar nicht aus).

Das Ziel des jetzigen Vorstands muß sein, erstmal alles zu ordnen. Den Rechenschaftsbericht für 2012 zuerst. Die Finanzen und Mitgliederverwaltung auf den neuesten Stand zu bringen. Das OTRS aufzuräumen. Den Wahlkampf im WK Zollernalb-Sigmaringen zu organisieren (und wahrscheinlich auch durchzuführen).
Dann können wir nach der Wahl wieder über eine Auflösung des BzV Tübingen diskutieren. Eine geordnete Auflösung. Wobei ich gleich sage, daß bis dahin alles wieder anders aussehen kann. Je nach Wahlergebnis. Bei einem schlechtem Ergebnis könnten sich auch die Kreisverbände Sorgen machen müssen. Bei einem super Ergebnis kann es sein, daß der BzV nicht mehr für weiße Flecken gebraucht wird, sondern als Entlastung für den LVor. Aber das liegt in der Zukunft.
Bis dahin bitte ich alle – auch die Gegner des BzV – uns zu helfen. Ohne Hilfe, insbesondere von Nati, Sören und Viktor, werden wir es nicht schaffen. Laßt uns den Wahlkampf meistern und gleichzeitig den BzV auf Vordermann bringen. Bitte.

Jetzt noch persönlich:

Der ein oder andere mag sich gewundert haben über mein Hin und Her bezüglich Kandidatur.
Ich war für die Beibehaltung des Bzv. Und habe für alle Posten kandidiert. Außer Schatzmeister natürlich^^ (Wobei ich das auch gemacht hätte, hätte es keine Kandidaten gegeben – muß man ja nicht vorher verraten.) Und ich habe mich nicht in’s Wiki als Kandidat eingetragen. Ich habe mich erst am Vortag definitiv entschieden zu kandidieren. Ich hab den Job Vorstand schon gemacht und weiß, daß es eine undankbare Aufgabe ist.
Als dann über die Hälfte der anwesenden Mitglieder für eine Auflösung des Verbands gestimmt hat, wollte ich nicht mehr – ich will doch nicht im Vorstand einer Gliederung sein, die von über 50% abgelehnt wird.
Diese Konsequenz wurde in mehreren persönlichen Gesprächen respektiert. Aber immer mit der Bitte, doch zu kandidieren. ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht – gerade wegen der Inkonsequenz, falls ich doch antrete. Aber schlußendlich mußte ich als Befürworter des BzV in Hinblick auf die relative Unerfahrenheit des Vorstands Verantwortung übernehmen.
Ich hoffe, ich enttäusche Euch nicht.
Leider fällt damit in den nächsten Wochen einiges andere in der Partei für mich weg – heute z.B. der Infostand.

Danke.
Jochen Schmidberger
Beisitzer